Freiheit fällt mir nicht in den Schoß

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Freiheit fällt mir nicht in den Schoß

Sich zur Freiheit befreien

Ich liebe meine Freiheit. Immer wieder neu musste ich mir die Freiheit nehmen und erkämpfen:

Als Jugendlicher wollte ich endlich frei werden von der Schule – die fand ich total langweilig. An der Uni fühlte ich mich endlich frei, dem nachzugehen, was mich wirklich interessierte: Theologie. Überhaupt fühlte sich das Studentenleben recht frei an. Aber was machst du, wenn du kein Pfarrer werden willst? Ich nahm mir die Freiheit, als Theologe eine Computer-GmbH zu gründen. Doch der enorme Druck, tagtäglich einen bestimmten Umsatz generieren zu müssen, machte mich immer unfreier. Alles drehte sich nur noch um das Geschäft; die Familie kam zu kurz.

Wieder nahm ich mir die Freiheit – diesmal, aufzuhören. Aber Schulden machen unfrei, also musste ich arbeiten – egal, was! So verbrachte ich knapp zwei Jahre als angestellter Verkäufer in der Unterhaltungselektronik. Das fühlte sich immer unfreier an. Also nahm ich mir wieder die Freiheit – diesmal, zu kündigen. Dann verbrachte ich zwei Jahre als Familienmann, kümmerte mich um unsere drei kleinen Kinder – eine wertvolle Zeit, besonders für mich als Mann!

Dann landete ich in der Zeitschriftenbranche, und nach vielen Jahren schließlich hatte ich die Freiheit, Adam online ins Leben zu rufen.

Um Sachzwänge kommen wir wohl alle nicht herum; wir haben nicht die Freiheit, nur das zu tun, was wir wollen. Aber nicht alles, was uns unfrei macht – oder sich unfrei anfühlt – muss sein. Wir können uns eine ganze Menge Freiheit nehmen. Lassen Sie sich diese nicht ausreden. Dazu gehört Mut, z. B. einen gut gemeinten Rat auch mal nicht zu befolgen. Hätte ich mir diesen Mut nicht genommen, wäre ich heute Bankkaufmann (der Rat meiner Eltern). Dann würde ich vielleicht mehr Geld verdienen, aber ich hätte mit Sicherheit nicht die (Entfaltungs-)Freiheit, die ich jetzt leben kann.

Männer müssen sich „freistrampeln“

Wir Männer lieben unsere Freiheit. Aber diese fällt uns nicht in den Schoß. Wir müssen uns regelrecht „freistrampeln“, um tatsächlich frei zu werden. Bei dem Bild vom „Freistrampeln“ denke ich an diese Babys, die mit x Schichten Klamotten eingewickelt in ihrem Kinderwagen liegen und dabei überhaupt keine Bewegungsfreiheit haben. Viele Männer lassen sich „einwickeln“ – durch andere Menschen, Abhängigkeiten und Süchte, Sachzwänge, den falschen Arbeitsplatz und vielem anderen. Sie müssen sich erst mal befreien oder befreien lassen, bevor sie volle Bewegungsfreiheit haben.

Freiheit durch Umkehr

Man kann sich nicht immer selbst befreien. Schuld beispielsweise werde ich nicht los, indem ich mich einfach davon befreie. Ich kann mich vielleicht von meinen Schuldgefühlen befreien, aber von Schuld kann ich nur losgesprochen werden, sie kann mir nur vergeben werden, um davon frei zu kommen. Wenn ich mich an jemandem schuldig gemacht habe, kann nur er mir vergeben – oder Gott.

Was ist dabei mein Part? Ich kann „Buße tun“. Das mag in vielen (Männer-)Ohren sehr religiös oder fromm klingen, aber genau diese altmodisch klingende Buße kann einem Mann neue Freiheit schenken. Buße beinhaltet nicht nur das Schuldeingeständnis und das Bitten um Vergebung, sondern auch die „Umkehr“, denn man hat ja „sein Ziel verfehlt“ (das bedeutet letztlich „Sünde“). Man korrigiert also seinen Kurs und schlägt den richtigen – nämlich Gottes – Weg ein, man lebt nach seinem Willen. Das führt in die wahre Freiheit. Die Bibel spricht im Jakobusbrief sogar von dem „Gesetz der Freiheit“.

Autopilot raus, Freiheit rein

Ich stehe morgens immer früh auf, wenn die Hektik des Tages mich noch nicht eingeholt hat, und beginne den Tag mit Stille vor Gott. Dabei überfliege ich auch meinen Terminplan und die To-do-Liste für den Tag und gehe bewusst mit dieser Ausrichtung auf Gott in den Arbeitstag. Das kann ich jedem Mann nur wärmstens empfehlen. Manchen gelingt das eher am Abend, das ist auch okay. Hauptsache, man lässt sich nicht treiben, sondern hält immer wieder inne und checkt seinen (Tages-)Kurs: Bin ich noch auf der richtigen Spur? Bin ich noch bei mir selbst? Manche nennen das „Achtsamkeit“. Man nimmt sozusagen den „Autopilot“ raus und nimmt ganz bewusst wahr, wo man steht. Man lässt sich nicht treiben, weder von Umständen, anderen Personen, noch von seinem eigenen, inneren Antreiber; dieser kann sogar der schlimmste von allen sein! Man startet dann in Freiheit wieder neu durch.

Nein sagen

Vielleicht noch schwieriger als das Nein zur täglichen Hektik ist das Nein Menschen gegenüber. Vielen Christen fällt das schwer, weil sie meinen, nicht Nein sagen zu dürfen. Aber sogar Jesus hat sich mitunter verweigert, hat nicht jedem Wunsch entsprochen, hat sich zurückgezogen, hat Menschen vor den Kopf gestoßen. Man lese mal die Evangelien unter diesem Gesichtspunkt! Er war eben frei. In dieser Freiheit war seine oberste Priorität der Wille Gottes – und eben nicht der Wille der Menschen. Das muss sich zwar nicht immer gegenseitig ausschließen, aber oft genug tut es das schon. Will ich es allen recht machen, oder habe ich die Freiheit, das zu tun, was ich vor Gott als richtig erkannt habe?

Heute beginnen

Wie wir gesehen haben, fällt einem Freiheit nicht in den Schoß. Sie will erkämpft sein. Sie kostet uns etwas. So gut es auch tut, sich frei zu fühlen – der Weg dorthin ist unbequem. Daher sollten wir nicht lange warten, sondern noch heute mit dem ersten Schritt beginnen. Das kann mit der simplen Frage beginnen: Fühle ich mich frei? Wenn nicht, waran liegt das? Wo fühle ich mich unfrei? Nach welcher Art von Freiheit sehne ich mich?

Manchmal kommt man allein nicht weiter. Dann kann man sich Rat holen – von einem guten Freund, einem Mentor oder einer anderen Person, der man vertraut. Wir brauchen Ermutigung, auch die Ermutigung, uns frei zu kämpfen.

Lassen Sie uns noch heute damit anfangen, unsere Freiheit zu erobern!

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Michael Mogel
Michael Mogel
1 Monat zuvor

Danke, lieber Emmerich, ein wichtiger Artikel für uns Männer!

ben
ben
1 Monat zuvor

vielen Dank für diesen worte, und die Ermutigung…wir brauchen das als Männer so sehr danke :))