Neues wagen – mit Gott

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Neues wagen – mit Gott

Neues wagen – fällt Ihnen das leicht oder eher schwer? Gehören Sie zu denjenigen Männern, die immer wieder einen gewissen Kick brauchen, indem sie Neues ausprobieren? Oder gehören Sie zu den eher beständigen Typen, die sich nur ungern auf Neues einlassen? Vielleicht stehen Sie ja gerade vor einer wichtigen Entscheidung …

Risikobereit oder riskant?

Risikobereitschaft lernen wir in der Regel von unseren Vätern. Sie sind es, die uns vielleicht als Baby in die Luft geworfen haben, um uns anschließend wieder aufzufangen (und die Mutter stand ängstlich daneben). Später haben sie uns vielleicht auf das Fahrrad gesetzt – und plötzlich losgelassen, und wir schlingerten herum, bis wir schließlich geradeaus fahren konnten, ohne umzufallen. Gut, wenn wir solche Väter hatten! Falls Sie selbst Vater sind: Wie viel trauen Sie ihrem Kind zu? Können Sie es loslassen, und sind Sie da, um es notfalls aufzufangen?

Man kann es auch übertreiben: Ob das sprichwörtliche „Ins Wasser werfen“ immer die beste Methode ist, um jemandem das „Schwimmen“ beizubringen, ist fraglich. Im schlimmsten Fall ertrinkt er dabei. Risikobereitschaft bedeutet nicht, fahrlässig zu handeln, und sie muss langsam entwickelt werden.

Vertrauen statt Misstrauen

Bevor wir wagen, müssen wir vertrauen können. Vertrauen muss wachsen, und es ist ausgesprochen beziehungsorientiert. Erlebt das Kind seinen Vater immer wieder als vertrauenswürdig, wird es ihm vertrauen – und sich manches trauen. Dieses Schema durchzieht unser ganzes Leben: Wir vertrauen jemandem, wenn wir ihn zuvor als vertrauenswürdig erfahren haben. Das kann später ein Freund, Kollege, Chef oder wer auch immer sein. Haben wir vertrauenswürdige Personen in unserem Leben kennengelernt, wird es uns sogar möglich sein, manchmal blind zu vertrauen; in bestimmten Situationen ist das nötig.

Wie leicht oder schwer fällt es Ihnen, jemandem zu vertrauen? Wem würden Sie auch blind vertrauen? Wir Männer sind oft misstrauisch, besonders anderen Männern gegenüber. Dies mag einer der Gründe dafür sein, dass es immer noch keine echte, gesellschaftsverändernde Männerbewegung gibt. Frauen tun sich viel leichter damit, Beziehungen aufzubauen und zu pflegen, sich miteinander zu vernetzen, einander zu vertrauen. Schon das Gründen einer Männergruppe scheitert oft daran, dass wir sehr misstrauisch sind: Warum sollte ich mich dem anderen öffnen? Am Ende nutzt er das gegen mich aus oder macht sich über mich lustig. Schwäche zeigen? Lieber nicht! Wir sind immer noch sehr aufs Kämpfen getrimmt.

Meine Beschäftigung mit der Männerarbeit hat mich da persönlich verändert. Früher war jeder Mann für mich zunächst einmal ein potenzieller Gegner, mit dem man sich auf irgendeine Weise messen muss. Inzwischen kann ich viel solidarischer empfinden; ich kann eher das Verbindende wahrnehmen. Das wünsche ich jedem Mann, denn so können wir gemeinsam letztlich viel mehr bewegen und verändern als mit unserem permanenten Einzelkämpfertum, das uns obendrein viel unnötige Energie kostet. Es kommt nicht von ungefähr, dass wir Männer im Schnitt sieben Jahre kürzer leben als Frauen.

Krisen als Türöffner

Wenn wir nicht zu den Männern gehören, die ständig die Abwechslung suchen und das Abenteuer lieben, tun wir uns schwer damit, Neues zu wagen: Warum sollte man Bewährtes aufgeben und sich auf Ungewisses einlassen? Warum sollte man Risiken eingehen und am Ende vielleicht eine Bauchlandung hinlegen?

Manchmal brauchen wir eine persönliche Krise, damit wir uns auf Neues einlassen. Als ich vor vielen Jahren geschäftlich am Ende war, half mir gerade diese existenzielle Krise, etwas ganz Neues zu wagen – und schließlich in meinem Traumjob zu landen.

Nicht immer sind es existenzielle materielle Krisen, die uns herausfordern. Manchmal ist es eine innere Krise – bei äußerlich guten Umständen – die uns innehalten und umschwenken lassen. Als ich vor mehreren Jahren mit meiner Familie umzog, hatte dies keinen materiellen Hintergrund. Aber einiges, für das ich ursprünglich eine Langzeitperspektive gehabt hatte, war unerwartet zu Ende gegangen, und ich befand mich in einer inneren Krise: „Was ist aus meinen Plänen geworden? Wie steht es mit meiner Berufung? Warum geht es an verschiedenen Stellen einfach nicht mehr weiter?“. So begann ich mich ernsthaft zu fragen, ob ein Ortswechsel angebracht sei, der schließlich in unseren Umzug mündete.

Befinden Sie sich gerade in einer materiellen oder inneren Krise? Werden Sie den Zweifel nicht los, dass Sie „am falschen Platz“ (örtlich, beruflich o. a.) sind? Dann trauen Sie sich, diesem Zweifel nachzugehen und ernsthaft zu prüfen, ob nicht tatsächlich eine größere Veränderung in Ihrem Leben dran sein könnte.

Auf Gott vertrauen

Wenn es um die Frage geht: „Soll ich etwas Neues wagen? Ist das dran?“, dann haben christliche Männer einen großen Vorteil: Sie sind nicht auf sich allein gestellt, sondern können etwas Neues im Vertrauen auf Gott wagen. Dies ist zwar kein Freibrief für alles, auch ist uns nicht unbedingt der Erfolg garantiert, aber wir haben auf alle Fälle jemanden, der uns notfalls wieder auffängt – wie der Vater, der sein Kind in die Luft wirft. Dies macht es uns leichter, etwas zu wagen. Eine Bauchlandung kann so zu einer „Landung in Gottes Hand“ werden. Das gibt Sicherheit.

So bedeutet Gottvertrauen nichts anderes, als Gott zu vertrauen, sich auf ihn zu verlassen, den man als vertrauenswürdig in seinem Leben erlebt hat. Doch sogar bibelfundierte Männer haben hier oft Probleme: Sie glauben zwar an die Bibel, vertrauen aber nicht wirklich Gott. Sie haben kein Vertrauensverhältnis zu ihrem himmlischen Vater – oft, weil sie den biologischen Vater als nicht vertrauenswürdig erlebt haben. Dabei geht es im christlichen Glauben um mehr als das Fürwahrhalten und Zitieren von Bibelstellen, auch um mehr als christlichen Aktionismus. Für ihn zu leben ist gut, mit ihm zu leben ist besser! So mancher christlicher Burn-out könnte vermieden werden, wenn wir nicht immer – für Gott – an unser Limit gehen würden, sondern mit ihm zusammen jeden Bereich unseres Lebens gestalten würden, im Vertrauen auf ihn und seine unbegrenzten Möglichkeiten.

Lieber wagen als klagen

Kenne ich Gott und vertraue ich ihm, bleiben in der konkreten Situation immer noch Fragen wie: Welche Entscheidung soll ich jetzt treffen? Was will Gott von mir? Soll oder darf ich das Neue wagen?

Ich bin davon überzeugt, dass wir „Gottes Stimme hören“ können. Sein Reden können wir durchaus in der Bibel finden. Aber auch Menschen kann Gott benutzen, um uns etwas mitzuteilen. Nicht zuletzt können wir Gott im Gebet „hören“, auf einer intuitiven Ebene. Das fällt uns Männern nicht unbedingt leicht, können wir aber lernen. Dabei kann es sein, dass uns Gott an einen fast vergessenen Traum erinnert, um uns dann zu sagen: „Jetzt ist die Zeit, diesen Traum umzusetzen!“

Wem es absolut schwer fällt, Gottes Stimme zu hören, kann auch das „Gebet um die offene Tür“ sprechen: „Wenn es dein Wille ist, öffne mir eine entsprechende Tür!“ Das kann dann zum Beispiel ein entsprechendes Angebot sein, das mir danach von außen zugetragen wird.

Wenn wir verheiratet sind, sollten wir vor größeren Kurskorrekturen auch unsere Partnerin mit einbeziehen – nachdem wir gebetet haben. Sie kennt uns und hat oft ein feines Gespür dafür, ob etwas nur „auf unserem Mist gewachsen“ ist oder ob mehr dahinter steckt.

Sollten wir immer noch unsicher sein, können wir einen Mentor, Coach oder guten Freund um Rat fragen. Allerdings sollten wir nicht zu viele Personen konsultieren, denn nicht jeder wird gut finden, was Gott uns gezeigt hat. Es gibt auch ein Zuviel an Ratgebern, was schließlich zur Verwirrung führt.

Haben wir so einen anfänglichen Eindruck, eine Ahnung geprüft, bleibt natürlich trotzdem ein Restrisiko: Ich und andere können sich „verhört“ und geirrt haben. Aber es ist immer noch besser, mutig etwas Neues zu wagen, dabei ab und zu hinzufallen, als schließlich in Frust und Bitterkeit zu enden.

Trauen Sie sich!

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