Aggressionen sind gut

© Ankita Gkd / pixabay.com

Aggressionen sind gut

Männliche Aggressionen haben in unserer Zeit einen schlechten Ruf. Sie werden mit einem Tabu belegt, vor allem durch Frauen. Aggressionen werden abgelehnt, bekämpft und abgestraft, man versucht sie regelrecht abzuschaffen. Zugleich wundern sich viele, dass Männer keinen Biss, keinen Elan, kein Durchsetzungsvermögen haben. Bei Auseinandersetzungen, z. B. mit Lehrern, anderen Eltern oder unangenehmen Nachbarn, müssen oft die Frauen vorpreschen, um die entstandenen Konflikte auszutragen; der Mann steht daneben und hofft, dass sich seine Frau durchsetzt.

Aggression und Gewalt

Im zeitgemäßem Denken fehlt die Differenzierung zwischen Aggression und Gewalt. Gewalt zielt auf die Zerstörung von Sachen oder Beziehungen. Das lateinische „aggredere“ hingegen bedeutet, beherzt auf etwas zuzugehen. Energiegeladenes Handeln mit dem Ziel, etwas zu erreichen, ist ohne Aggression gar nicht möglich!

Wollen Frauen wirklich keine aggressiven Männer? Wie gesagt, es geht nicht um Gewaltanwendung!

– Kaum eine Frau mag es, wenn der Mann der Schwächere ist und zuerst wegläuft.

– Kaum eine Frau erträgt es, wenn sie einen ängstlichen Mann beschützen muss.

– Kaum eine Frau ist darüber begeistert, wenn sie den Mann anfeuern muss, sich abzugrenzen, hinzustehen und sich für die Familie einzusetzen.

Wilde Männer zähmen?

Die Chancen für den Softie stehen also schlecht – das sieht man an den Wünschen der Frauen in Kontaktanzeigen. Man kann nicht auf „wilde Männer“ stehen und sie zugleich so zähmen, dass sie ihre Wildheit verlieren – und man sich dann einen anderen sucht. Dabei werden nach B. T. Leimbach (Männlichkeit leben. Die Stärkung des Maskulinen, Ellen&Richter-Verlag 2012) drei Denkfehler begangen:

* Erster Denkfehler: Aggression ist nur männlich. Neuere Studien beweisen aber, dass gerade in Beziehungen oft Gewalt von Frauen ausgeht, vor allem psychische Gewalt (aber nicht nur).

* Zweiter Denkfehler: Gewalt verschwindet, wenn man Jungs Aggression „aberzieht“. Das Problem: Jungs suchen sich dann andere „Betätigungsfelder“, z. B. äußerst aggressive Computerspiele ohne jegliche Empathie.

* Dritter Denkfehler: Gerade die Frauen, die die Abschaffung der Aggression fordern, tun dies oft auf sehr aggressive Weise – und das wird dann auch noch als akzeptabel angesehen.

Aggressionen leben

Aggressionen leben – im ursprünglichen, positiven Sinne – heißt also:

– Dinge in Angriff nehmen – und gerade das wünschen sich Frauen.

– Etwas zu Ende bringen, durchziehen, auch wenn die Lust dazu verflogen ist.

– Ziele hartnäckig verfolgen und nicht zu schnell aufgeben.

– Widersacher abschütteln und zu seinen Ansichten stehen.

– Bösen Missständen widerstehen und sie, wenn möglich, beseitigen.

Ohne Aggressionen …

… „chillt“ man nur noch und lässt alles schleifen.

… bewegt man nichts mehr.

… vertuscht man Probleme und spricht sie nicht mehr an.

… treibt man keinen Sport mehr.

… „erobert“ man keine Frau, weil man sich nicht traut, auf sie zuzugehen und um sie zu kämpfen.

Muttersöhnchen ohne Aggressionen

Der aggressionlose Mann ist das Muttersöhnchen:

* Es meidet gefährlichen Sport, weil Mama sagte, da kann man sich verletzen.

* Es neigt zu Übergewicht, weil Mama ihm immer Essen reichte, das man nicht ablehnen durfte.

* Es geht Veränderungen aus dem Weg, weil das Spannungen verursacht und Mama ihn einst vor Konflikten fernhielt.

* Es ist anfällig für Infektionskrankheiten, weil fehlendes abwehrendes, aggressives Potenzial nicht vorhanden ist.

* Es meidet den Kontakt zu anderen Männern, weil die ja gegen Frauen sein könnten.

* Es kann nicht mit Männern umgehen, weil Mama sagte: „Meide die bösen Buben, die bringen dich nur weg von mir!“

* Es will sich seinen Ängsten nicht stellen, weil man dann seine Komfortzone verlassen müsste.

* Es nimmt sein Leben nicht selbst in die Hand, weil sich ja Mama um alles Wichtige kümmert.

* Es neigt zu Lüge, Manipulation, Ausweichen – statt ehrlich zu seisn und zu begangenen Fehlern zu stehen, denn Mama muss her, um es wieder zu richten.

Viele Männer haben Angst vor ihrer Männlichkeit, sie wollen „Mama“ nicht enttäuschen, die immer einen lieben Bub haben wollte.

Gewalt verhindern

Gewaltprävention kann nicht so aussehen, dass man Aggressivität abtrainiert – man muss den richtigen Umgang mit Aggressivität lehren. Es geht darum zu lernen, wie man angemessen austeilt, einsteckt und wieder aufsteht. Ohne Aggression gibt es keine Männlichkeit.

Aggression wird dann zu Gewalt, wenn die normalen zwischenmenschlichen Regeln missachtet werden (Schlagen, Drohen, Ausrasten, Zerstören), der Gegner nicht mehr gewürdigt wird, wenn man dem anderen Schaden zufügen will.  

Hier ein Beispiel: Ein Mann redet in der S-Bahn unglaublich laut, gefühlt stundenlang am Handy. Es regt sich Wut in seinem ganzen Umfeld, und jeder wünscht sich, dass jemand etwas unternimmt. Gewalt würde bedeuten, dem Störenfried wutentbrannt das Handy aus der Hand zu schlagen. Reifes und sozialverträgliches Verhalten würde bedeuten, den Mann freundlich, aber bestimmt darauf hinzuweisen, dass sein Verhalten Ärger bei allen hervorruft und dass daraus durchaus bald Gewalt entstehen könnte.

Es geht also darum, kurz innezuhalten und nachzudenken: „Was genau regt mich eigentlich so auf?“  Dann kann man sich einen kleinen Plan erstellen, wie man fair und direkt mit der Situation bzw. der Person umgeht. Das ist erwachsenes Verhalten. Zuschlagen will nur das unüberlegte Kind in uns, das auf Rache sinnt.

Hier sind wir als männliche Vorbilder gefragt – für unsere Söhne, andere Männer, Mitarbeiter etc. Haben wir selbst Probleme mit Aggressionen – oder fehlen sie uns gänzlich, dann kann es hilfreich sein, die Ursachen dafür zu finden. Ein Mentor oder eine Männergruppe kann uns dabei unterstützen.

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
1 Kommentar
Oldest
Newest
Inline Feedbacks
View all comments
Daniel
Daniel
3 Monate zuvor

Positive männliche Aggression!
So gut, dass ihr darüber schreibt. Hätte mir das mal jemand in meiner Jugend beigebracht – ich wäre nicht so lange ein schweigender Hinterbänkler in der Kirche und in der Gesellschaft geblieben.