Wasser zu Wein

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Wasser zu Wein

Wasser zu Wein (oder Bier!) machen – das wär’s! Unglaublich: Jesus hat es uns vorgemacht …

Im Johannesevangelium lesen wir von dieser merkwürdigen Szene, die unser herkömmliches Bild von Jesus erschüttert: Er ist mit seiner Mutter auf einer Hochzeitsfeier, und da wird viel getrunken – so viel, dass der Wein ausgeht. Wie peinlich! Durstige Gäste auf einer Hochzeitsfeier? Das geht gar nicht!

Genervter Jesus?

Maria, die Mutter Jesu, bemerkt das und wendet sich direkt an ihren Sohn: „Hast du gemerkt, dass sie keinen Wein mehr haben?“ (Joh 2,3) Eigentlich eine harmlose Bemerkung, doch Jesus reagiert fast genervt: „Bitte lass das meine Sorge sein. Ich weiß, wann ich was zu zu machen habe. Dräng mich also nicht zu irgendetwas!“ (Joh 2,4)

Aus Männersicht könnte man sagen: Jesus scheint kein Muttersöhnchen zu sein. Er grenzt sich sogar von seiner Mutter ab und stellt klar: „Mutter, du hast mir gar nichts (mehr) zu sagen, ich entscheide! Ich bin ein erwachsener Mann!“ Oder was waren sein Motive für diese barsche Reaktion? So genau wissen wir das nicht.

Probleme lösen – aber ganz anders

Wie auch immer, kurz darauf macht Jesus genau das, was sich Maria wohl gewünscht hat: Er packt an und löst das Problem. Aber wie er das macht! Ob sich Maria das so gedacht hat? Vermutlich nicht. Denn Jesus macht etwas, womit wohl niemand gerechnet hat: Er geht zu dem „heiligen Wasser“, das eigentlich für rituelle Waschungen gedacht war; aber was er dann damit macht, dürfte anwesende Pharisäer so ziemlich auf die Palme gebracht haben. Er zweckentfremdet das heilige Wasser – und macht daraus Wein, sogar sehr guten Wein, und davon eine ganze Menge! Wasser zu Wein. Einfach so! Darf er das? So mancher Fromme, der die Szene mitansah, wird wohl entsetzt den Kopf geschüttelt haben. Denn wir lesen nichts davon, dass Jesus dann für andere Wasserkrüge sorgte, um die rituellen Waschungen zu ermöglichen …

Jesu erstes öffentliches Wunder – ein religiöser Skandal! Um worum geht es dabei? Eine Heilung? Eine Totenauferweckung? Nein, es geht einfach nur um die Verköstigung von Hochzeitsgästen mit literweise Alkohol.

Was sagt uns das über Jesus?

Er ist so anders! Männer, vergesst eure Jesus-Bilder, die ihr im Kopf habt, und entdeckt diesen ganz anderen Jesus. Johannes zeichnet das Bild eines anstößigen, unkonventionellen Jesus, der sich sogar über religiöse Gepflogenheiten hinwegsetzt. Ein Jesus, der sich offensichtlich von seiner Mutter abgelöst hat, ohne unreif rebellisch zu sein. Ein Jesus, der feiern und trinken kann und dem es nicht egal ist, wie wohl sich die Menschen fühlen. Jesus sieht unsere Bedürfnisse, auch die ganz banalen, und sie sind ihm nicht egal! Er fühlt sich nicht nur für die ganz großen, frommen Dinge zuständig, sondern für unser Wohlbefinden rundum. Was für ein Jesus!

Was lernen wir aus der Geschichte für uns?

  1. Unser Jesus-Bild darf immer wieder neu korrigiert und erweitert werden. Die verschiedenen Perspektiven der vier Evangelisten (Matthäus, Markus, Lukas und Johannes) helfen uns dabei, Jesus so kennenzulernen, wie er wirklich war und ist. Da gibt es immer wieder Neues zu entdecken.
  2. Unser Bedürfnisse sind Jesus wichtig. Nichts ist zu banal oder zu unwichtig für ihn. Zu ihm können wir mit allem – wirklich mit allem – gehen. Mann, du bist ihm nicht egal!
  3. Wir haben vielleicht unsere eigenen Lösungsstrategien im Kopf, aber da gibt es noch mehr! Es ist gut, selbst anzupacken, aber noch besser kann es sein, Jesus anpacken zu lassen! Wer weiß, welches Abenteuer – oder Wunder – wir dann erleben! Dazu brauchen wir allerdings die Demut, Jesus bzw. Gott zu bitten und ihn machen zu lassen. Das könnte uns echt herausfordern!
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Stephan Menzel
Stephan Menzel
2 Monate zuvor

Spannende Einsichten und neue Denkanstöße zu bekannten und oft gelesenen Bibelversen. Danke für die „Horizonterweiterung“!

Ben
Ben
2 Monate zuvor

Danke sehr. Wenn das nicht mut macht ihm mehr zu vertraun🙏👍😊

Heino Meyer
Heino Meyer
2 Monate zuvor

Schöne Interpretation dieses Verses! Ich wünschte mir sehr viel mehr Mut für das Lösen von gewohnten (Gemeinde-)Mustern.
Rituale können hilfreich und notwendig sein, dennoch erreichen wir Menschen ausserhalb gemeindlicher Strukturen kaum mit den weit verbreiteten Abläufen und Ritualen.