Leiten nach dem Vorbild Jesu

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Leiten nach dem Vorbild Jesu

Wie gehen Sie mit folgendem provokanten Satz aus der Bibel zum Thema „Leiten“ bzw. „Leiterschaft“ um: „Wer der Erste unter euch sein will, der sei der Diener von euch allen“ (Mt 20,26)? Offensichtlich geht es hierbei nicht um Machtausübung oder Kontrolle.

Wie sieht es mit Ihrer Leiterschaft aus?

Ist das ein Satz, der sich auf Ihren Alltag anwenden lässt? Ist das eine Aussage, die in Ihrem beruflichen, familiären oder gemeindlichen Umfeld real gelebt wird? Es ist ein großes Wort, das Jesus hier ausspricht, wenn er von „dienender Leiterschaft“ redet – etwas, das er selbst praktiziert hat. Was bedeutet für Sie dienende Leiterschaft, in Ihrem Umfeld? Sind Sie, sofern Sie Familie haben, zu Hause der Patriarch, und alles tanzt nach Ihrer Pfeife, oder sind Sie der Softie, dem alle auf der Nase herumtanzen? Sind Sie, sofern es Ihr Arbeitsumfeld anbelangt, eher ein Diktator oder eher jemand, der einer Art „Country Club“ vorsteht, in dem jeder macht, was er will? Auch wenn Sie vielleicht nicht Manager eines Großunternehmens sind, so haben Sie als Mann fast immer eine Verantwortung für andere und stehen somit in Leiterschaft.

Leiten wie Jesus

Wenn der Begriff „Leiterschaft“ oder „Führung“ genannt wird, so denken viele von uns: „Aha, hier ist die Rede davon, Boss zu sein“. Gerade weil wir in einer Kultur leben, die sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart durch (Wirtschafts-)Bosse und Manager massiv in Probleme gebracht worden ist, müssen wir Leiterschaft im Sinne Jesu neu begreifen.

Nur weil jemand Boss ist, ist er nicht automatisch Leiter! Leiten bedeutet an erster Stelle eine Haltung. Es geht dabei nicht primär um Macht und Privilegien, sondern um Hingabe und Reife. Unter einem Leiter versteht die Bibel eine Persönlichkeit, die andere anleitet, ermutigt und durch ihre Handlungen und Entscheidungen vorbildhaft beeinflusst. Eine der wesentlichen Aufgaben des Leiters ist, die Anbefohlenen in optimaler Weise zu fördern.

Vielleicht denken Sie jetzt: „Fromme Theorie – und wann arbeiten die Leute dann noch?“ Gerade im harten Industriealltag wird mehr und mehr erkannt, dass diese Haltung des Vorgesetzten gegenüber seiner Mitarbeiter deren Einstellung zur eigenen Arbeit dermaßen positiv beeinflusst, dass die Ergebnisse meistens weit über den gesteckten Erwartungen liegen.

Dienen statt Herrschen

Wir wollen uns zurückbesinnen auf das Bild, das Jesus selbst uns vorgelebt hat – auf das Bild, das wir aus den Augen (und aus den Herzen) verloren haben. Unsere Gesellschaft hat uns über Jahrhunderte ein falsches Bild vorgegaukelt und zur falschen Normalität werden lassen. Es geht aber zunächst nicht um bestimmte Aktionen und Programme, sondern im Mittelpunkt steht der Prozess des persönlichen Wachstums, hin zum Dienen, statt zum Herrschen. Deutlich effektiveres und gemeinsameres Handeln werden daraus hervorgehen. Der Aufgabenbereich solcher Unterstützer und Anleiter lässt sich wie folgt umreißen:

Gute Leiter …

… unterstützen die persönliche Entwicklung der Einzelnen
… helfen Vertrauen aufzubauen
… geben ein Beispiel durch ihr eigenes Leben
… moderieren und fördern den Dialog zwischen den Einzelnen
… unterstützen den Beziehungsaufbau zwischen den Beteiligten
… schaffen Offenheit zum Handeln, zum Miteinander und zur eigenen Veränderung
… sind dienend, weil Mitarbeit und nicht Leitung im Mittelpunkt stehen
… arbeiten selbst mit, weil nicht die Position, sondern der dienende Einfluss wesentlich ist
… unterstützen ihre Teams dabei, die zusammen gesteckten Ziele nicht aus den Augen zu verlieren
… stellen sich der Herausforderung, dass auftretende Probleme auf den Leiter zurückfallen, die
Erfolge jedoch auf die Beteiligten.

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