Sexualität auf dem Wartegleis

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Sexualität auf dem Wartegleis

Der deutsche Durchschnittsmann ist mit 12 Jahren geschlechtsreif und heiratet mit 32. Was also in der Zwischenzeit tun mit einem riesigen Potenzial, das in uns schlummert und noch kein Gegenüber hat? Klar ist: Alle Reinheitsgelübde hängen davon ab, ob es dem Unverheirateten gelingt, in seinem Zustand der Sexualität einen Sinn zu sehen. Fünf Strategien können Christen dabei helfen:

1. Von meiner Potenz lernen

Gott hat uns Männern den Sexualtrieb nicht unters Kopfkissen gelegt, damit wir uns ärgern, wenn wir nachts auf dumme Gedanken kommen. Er hatte vielmehr eine „pädagogische Idee“: Wir müssen lernen, dass es männlich ist, mehr zu können als wir sollen. In gewisser Weise ist das Potenzial zur Selbstbefriedigung eine Charakterschmiede nach Sprüche 25,28: „Ein Mann ohne Selbstbeherrschung ist wie eine offene Stadt ohne Mauern.“

Wenn ich meine Sexualität noch nicht auslebe, entdecke ich, wie ich die ganze Energie auch anders verwenden kann. „Sublimierung“ nannte Freud das. Vermutlich ist so manche Erfindung entstanden, weil Männer neue Kanäle für ihre Potenz gesucht haben. Eine Jugendlichkeit, die noch nicht den eigenen Hosenlatz zur Deponie für überschüssige Energie erklärt hat, kann enorm dynamisch sein.

2. In „erwartender Dankbarkeit“ leben

Eine Braut wartet auf den Bräutigam, ein Single auf den Partner. Sexualität erinnert uns genau daran. Vielen unfreiwillig partnerlosen Männern hilft eine Haltung der „erwartenden Dankbarkeit.“ Ihre bereits voll funktionsfähige Sexualität erinnert sie daran, dass sie zukünftig mit der Partnerin vereint sein werden, die Gott ihnen zur Seite stellt. In dieser Erwartung sortieren sie schon jetzt ihr Leben. Selbst wenn sich Männer in dieser Phase für Masturbation entscheiden, können sie das in solch einer Haltung tun: „Ich danke dir Herr, dass ich Triebe und einen Orgasmus erleben kann, und ich weiß, dass all das hingeschaffen ist auf die sexuelle Begegnung in der Ehe. Daher gestalte ich meine Sexualität schon jetzt auf eine Weise, die dieser Begegnung zu- und nicht abträglich ist. Ich verzichte auf Pornos und übe einen erwachsenen Umgang mit Lust.“ Diese Haltung kennzeichnet eine Dankbarkeit für das Künftige und das bereits angelegte Potenzial dazu. Wie uns die Ewigkeit ins Herz geschrieben ist, so ist uns durch die Sexualität die Anlage zur Ehe gegeben. Gott ehrt uns, indem er uns den Sex vor der Partnerin gibt.

3. Was will meine Sexualität mir sagen?

Für den Philosophen Robert Solomon ist Sexualität primär ein Mittel der Kommunikation. Sie ist vor allem Sprache, mit der ich mich ausdrücken und den anderen verstehen möchte. Sie lebt von einem Gegenüber. Demnach ähnelt Selbstbefriedigung einem Monolog, der zwar möglich, aber keineswegs Sinn der Sprechorgane ist. Für Solomon ist klar, dass in Selbstbefriedigung niemals Kommunikation und Inhalt liegen können und sie somit leer bleibt – und den Anwender leer zurücklässt. Für viele Männer ist Selbstbefriedigung unbefriedigend. Was also bedeutet unsere Sexualität? Was würde sie mir sagen, wenn sie reden könnte? Was möchte meine Seele durch sie einem anderen Menschen mitteilen, was gern von ihm hören? Die Antworten zeigen, welche Bedürfnisse bei mir mit Sexualität verknüpft sind. Diese Bedürfnisse sind gut, auch wenn ich noch nicht sexuell aktiv sein kann. Deshalb sollte ich sie ernst nehmen und mir alternative, nichtsexuelle Wege erschließen, sie zu befriedigen.

4. Verzicht als Lobpreis

In unserer Gesellschaft gibt es wenige Möglichkeiten, durch Verzicht und Fasten unsere Hingabe an Gott auszudrücken. Auch beim Sex ist das eine echte Leibesübung. Vielen Männern fällt der Verzicht leichter, wenn sie ihn als freiwilliges Opfer und Ausdruck fröhlicher Nachfolge verstehen. In einer sexualisierten Umwelt zeigt das, dass wir Christen letztlich doch von einem anderen Stern sind – und Botschafter eben dieser neuen, alternativen Lebenskultur.

5. Sich erinnern lassen

Unser Leib ist nicht das Gefängnis der Seele, wie Platon es nannte, sondern bildet eine Einheit mit ihr. Der Mensch ist ein stimmiges Gesamtpaket, kein Flickwerk. Sexualität erinnert mich immer wieder daran – oft auch schmerzhaft – dass ich mit Leib und Leben nicht mehr mir selbst gehöre, sondern mit Christus gestorben und auferstanden bin und abhängig von ihm bleibe. Die eigentlich noch nicht benötigte Sexualität hilft, sich immer wieder bewusst zu Gott zu wenden. Sexuelle Unter- bzw. Überforderung konfrontiert uns mit der eigenen Bedürftigkeit und führt zur Bitte um Vergebung, Befreiung, Heiligung, Veränderung und Gnade. Wer weiß, wie stolz wir Männer wären, wenn die Sexualität uns nicht immer wieder unsere Abhängigkeit von Gottes Kraft aufzeigte.

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