Mutter unser im Himmel?

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Mutter unser im Himmel?

„Mutter unser im Himmel“ … Nein, „Vater unser im Himmel“ – so beten viele Christen auf der ganzen Welt. Auch die jüdische Gebetstradition nennt Gott „Avinu Malkeinu“ (Unser Vater und unser König). Viele Muslime dagegen gehen zurückhaltend mit diesem Bild um, weil es ihnen zu menschlich ist.

Ist Gott „nur“ Vater oder auch Mutter?

Das biblische Bild von Gott, dem Vater, ist sehr alt und verbreitet. Es sagt etwas über unsere Herkunft und unseren Ursprung aus, über Gottes Liebe und Fürsorge, aber auch über seine Autorität und – wenn man es so nennen darf – „Altersweisheit“. Trotzdem ist es nicht unproblematisch. Gerade in neuerer Zeit empfinden es viele Menschen als einseitig, oft auch wegen eigener negativer Erfahrungen mit Vätern. Immer lauter wird die Frage: Braucht das Bild vom Vater eine Ergänzung? Ist Gott nicht genauso unsere Mutter?

Der weibliche Gott

Tatsächlich: Gott selbst vergleicht sich in der Bibel nicht nur mit einem Vater, sondern auch mit einer Mutter. Am bekanntesten ist wohl der Vers, der auch als Jahreslosung für 2016 gilt: „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet (Jes 66,13).“ Aber dieser Vers ist kein Einzelfall: Gott vergleicht sich mit einer Frau, die unter Wehen ihr Kind zur Welt bringt (Jes 42,14), oder mit einer Mutter, die ihr Kind nie im Stich lässt (Jes 49,15). Jesus selbst beschreibt sich sogar als Glucke, die ihre Küken unter ihren Flügeln sammelt (Mt 23,37).

Noch tiefer als diese Vergleiche geht die Beschreibung, mit der Gott sich Mose am Berg Sinai vorstellt: „Barmherzig und gnädig, geduldig und von großer Güte“ (2 Mose 34,6). Diese Beschreibung taucht in der Bibel immer wieder auf, wie ein Siegelring Gottes, der seinen Charakter und sein Wesen unterstreicht. Das erste Wort in dieser Aufzählung, „barmherzig“, wird im Hebräischen aus dem Wort für „Mutterschoß“ oder „Gebärmutter“ abgeleitet: Gottes Wesen ist uns gegenüber so wie der Leib der Mutter, der uns umschließt, nährt, schützt, heranreifen lässt und am Leben erhält. Doch bei aller Nähe erdrückt oder vereinnahmt er uns nicht, sondern ermöglicht uns ein selbstständiges Leben und gibt uns schließlich frei.

Mehr als politisch korrekt

Bei diesen biblischen Bildern geht es also um viel mehr als eine „göttliche Geschlechtergerechtigkeit“: Gott, der völlig jenseits unserer Geschlechtereinteilung steht, geht dennoch auf ganz unterschiedliche Erfahrungen unseres Lebens ein und begegnet diesen Bedürfnissen, die wir normalerweise mit Mutter und Vater, mit „weiblich“ und „männlich“ verbinden und beschreiben. Die Zuordnung der Geschlechter bleibt dabei in der Bibel recht traditionell: „Gott ist wie ein Vater, weil er gründet, weil er ruft, weil er befiehlt, weil er herrscht; Gott ist wie eine Mutter, weil er wärmt, weil er nährt, weil er stillt, weil er umschließt“ (Augustinus). Die Bibel folgt damit den damaligen kulturellen Vorstellungen und vor allem dem symbolischen Gehalt, den das Männliche und das Weibliche in vielen Kulturen und in der Mehrheit der Bevölkerung bis heute haben.

Vater: ein Titel Gottes

Eine wichtige Unterscheidung jedoch macht sie: Sie nennt Gott zwar Vater, aber nicht Mutter. Die Mutter bleibt ein Vergleich, der Vater jedoch ist ein Titel Gottes. Das hat vermutlich einen tieferen Grund: Die Mutter bringt ein Kind aus sich heraus zur Welt und muss sich danach von ihm lösen, damit es Person wird. Der Vater aber tritt dem Kind nach der Geburt als ein Gegenüber entgegen, kommt von außen auf es zu und nimmt es an. Indem die Bibel also Gott unseren Vater nennt, macht sie deutlich: Weder ist es „Mutter Erde“, die uns hervorbringt, noch das „Göttliche in uns allen“, wie es andere Religionen und Weltanschauungen lehren. Der Gott der Bibel ist der ganz Andere, das Gegenüber, das mit uns eine Beziehung aufbauen will, uns entgegenkommt und uns umschließt – mit väterlichen wie mütterlichen Armen.

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marco
marco
1 Monat zuvor

Sehr geehrte Persönlichkeit – Herr Baltes! Im Friedensevangelium der Essener Bruderschaft habe ich Hinweise darauf gefunden, daß es auch ein „Mutter unser“ existert haben muss. Denn der Samarier (Johannes 8 Vers 48) Jesus Christus hatte des öfteren das Weib als göttlichstes aller Wesen hervorgehoben. Vielleicht schlummert dieses phantastisch anmutende Werk auch im 21. Jahrhundert immer noch in einer staubigen Ecke im Vatikan? Hochachtungsvoll herzlich liebe Grüße aus Steffenberg! sendet Ihnen marco fey