Der Gott-Mensch als geschlechtsloses Wesen?
Diese Ausgabe, die auch in die Zeit von Ostern fällt, wollten wir in besonderem Maße dem widmen, den wir in den Ostertagen feiern: dem auferstandenen, lebendigen Jesus. Er, der „Gott-Mensch“, war als Mann unter uns, und für Christen ist er der Herr. Hätte er genau so gut als Frau kommen können? Oder noch besser: als geschlechtsloses oder geschlechterübergreifendes menschliches Wesen?
Üblicherweise reden wir von Jesus als Mensch. Sein Mannsein wird in der Regel ausgeblendet. Das hat auch seine Berechtigung, denn alle sollen sich mit ihm identifizieren können. Und doch finde ich es interessant – und als Männerzeitschrift auch angemessen – sich mit Jesus mal als Mann und aus einer männlichen Perspektive zu beschäftigen.
Falsche Bilder von Jesus
Dabei haben wir auch versucht, manche Irrtümer aufzudecken und uns dem biblischen Jesus anzunähern. Obwohl es in der Theologie schon lange eine „Jesus-Forschung“ gibt, die genau das zum Ziel hat, scheint es mir immer wieder neu nötig zu sein, unsere Bilder von Jesus mit dem Jesus der Bibel abzugleichen. Denn für was alles musste sein Name schon herhalten! Die unterschiedlichsten politischen und religiösen Ideologien beanspruchten und beanspruchen ihn für sich.
Hinzu kommt das relativ neue Phänomen, dass über das Internet und die sozialen Medien so gut wie jeder sein individuelles Jesus-Bild als „wahr“ verbreiten kann. Der Einfluss der sog. Influencer ist nicht zu unterschätzen in unserer Zeit. Die Haupt-Informationsquelle besonders von jungen Menschen bilden mit Abstand YouTube und die sozialen Medien, v. a. WhatsApp. Die meisten Inhalte sind, gelinde gesagt, unseriös. Immer mehr Menschen verlassen sich auch auf „Künstliche Intelligenz“ (KI), bequem abrufbar über ChatGPT und andere Systeme. Dabei beträgt der Wahrheitsgehalt, wie Studien ergeben haben, je nach System nur 50 bis 70 Prozent.
Der Jesus der Bibel
Unsere Autoren haben v. a. in der Bibel nachgelesen. KI kann nützlich sein, um z. B. bestimmte Bibelstellen schneller zu finden. Die Bibel ersetzen kann sie nicht! Ausgehend von dem biblischen Fundament beleuchten unsere Autoren verschiedene Aspekte vom „männlichen Jesus“, z. B. Jesus als Zumutung besonders für Männer (S. 4-5), als Sohn eines Vaters (S. 6), als Gegenüber von Frauen (S. 7) oder als Spiegelbild eines ganz anderen Ichs (S. 8-9). Zur weiteren Vertiefung möchte ich Ihnen auch unsere Buchrezensionen auf Seite 13 empfehlen.
Viel Annäherung an den auferstandenen Jesus wünscht Ihnen
Emmerich Adam