Gott und Essen

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Gott und Essen

„Wie mit köstlichen Speisen, so machst du mich glücklich, dich will ich loben und preisen.“ (Psalm 63,6 – Neues Leben Bibel) Die Verbindung zwischen Gott und Essen finden wir in vielen Passagen der Bibel, so auch hier.

Gutes Essen

Ich liebe gutes Essen. Einer meiner besten Freunde ist ein hervorragender Koch. Jedes Mal, wenn wir uns treffen, komme ich in den Genuss seiner Kochkünste: Dorade mit karamellisierter Paprika und Wildreis, gebackener Ziegenkäse mit in Honig geschwenkten Nüssen und frischen Feigen, ein perfekt gebratenes Rinderfiletsteak … Ich kann kaum aufhören, davon zu schwärmen – was für ein Fest! Mich wundert es immer, welche Wellen von Freude gutes Essen durch meinen ganzen Körper jagen lässt.

Vielleicht berührt mich deswegen der oben genannte Psalmvers von David so sehr. Was für eine eindrückliche, tief emotionale Sprache – vor allem für jemanden, der so gerne isst wie ich. Ehrlich gesagt geht es mir aber oft so, dass mich dieses beinahe ekstatische Bild ratlos zurücklässt: David scheint eine Freude an Gott gefunden zu haben, die all das an Qualität weit übersteigt, was ich oft in meinem Glaubensleben empfinde.

Der verdorbene Gaumen

Möglicherweise ist das der erste Schritt in ein tiefes Leben mit Gott: die simple Erkenntnis, dass ich das, wovon David hier schreibt, noch nicht schmecke. Es lässt mich kalt. Das liegt aber nicht an Gott. Ich glaube, dass das Bild des Essens hier wieder hilfreich ist: Ich kann mir meinen Geschmack an etwas verderben. Wer sich ständig den Bauch mit billigem Fast-Food vollschlägt, der braucht sich nicht zu wundern, wenn sich die Begeisterung über ein wunderbar bereitetes Fünf-Gänge-Menü nur schleppend einstellt. Oder ich habe einfach noch nie gelernt, gutes Essen richtig wahrzunehmen. Wer sich kurz in der Mittagspause schnell ein Sandwich zwischen die Kiemen schiebt, wird sicherlich nicht die Muße haben, sich mit den Aromen des Brots, der frischen Tomaten, dem geräucherten Schinken und dem knackigen Salat auseinanderzusetzen.

Wir sind ja schon satt: Mengen an Informationen, Serien, Filmen, Vergnügungen, Konsumartikeln etc. stillen den Hunger unserer Seele nur scheinbar. Wir nehmen uns auch nicht die Zeit, das „Schmecken“ zu lernen. Doch warum sollten wir uns vielleicht doch die Mühe machen, diese Kunst zu lernen? Wer ehrlich in sich hineinhorcht, wird feststellen: Es sind nicht die Fast-Food-Speisen des Lebens, die uns satt und glücklich machen. Im Gegenteil: durch sie wird unser Leben fade und leer.

Das Schmecken lernen

Doch es gibt eine gute Nachricht: So, wie man seinen Gaumen trainieren kann, unzählige Geschmacksnuancen wahrzunehmen, so kann man auch seine Seele trainieren, Erfüllung in Gott („Geschmack an Gott“) zu finden, Geschmack an seiner Freundlichkeit, seiner Gnade, seiner Schönheit. Es kann ganz einfach anfangen: Ich faste die billige Nahrung meiner Seele (Konsum, Vergnügungen u. a.) um Raum zu schaffen für das Aroma des lebendigen Gottes. Ich nehme mir Zeit, seine Güte und Liebe in der Stille und im Gebet zu kosten.

Ich will ein Mann sein, der gelernt hat, den zarten, wunderbaren, komplexen und berauschenden Geschmack des Gottes zu schmecken, den David in diesem Psalm besingt. Und ich will erleben, dass mich dieser Gott glücklich macht wie mit köstlichen Speisen. Sind sie dabei?

 

 

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Benno
Benno
1 Monat zuvor

Abgefahren der Vergleich von leckerem Essen und Gott, aber steht ja auch so geschrieben…wir sollen förmlich seinen Leib essen, ihn in uns aufnehmen, ihn schmecken, riechen und anfassen (wie Thomas), voll gut!!

Ben
Ben
1 Monat zuvor

Tolle Auslegung vom Text super danke

Steve Rincklake van Endert
Steve Rincklake van Endert
1 Monat zuvor

Was für ein ungewöhnlicher Beitrag, und dazu noch ein genussvoll zu lesender, mit einer Sichtweise, die so nicht gedacht hatte. Vielen Dank! Mehr davon, bitte!!!