Die Kunst des Loslassens

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Die Kunst des Loslassens

Manchmal tappe ich in die Organisationsfalle. Das sieht folgendermaßen aus: Ich greife in die Abläufe meiner erwachsenen Kinder ein. Dabei habe ich die gute Absicht, ihnen zu helfen und sie zu unterstützen – nach dem Motto: Mit Mama geht alles besser! In fast allen Fällen stelle ich fest, dass es nicht notwendig gewesen wäre oder, wenn es ganz schlimm kommt, ich alles verkompliziert habe.

Mutterliebe ist lebensnotwendig

Man denke an die Probleme, wenn frisch gebackene Mamas eine postnatale Depression haben und die Mutterliebe noch fehlt. Diese legt einen Grund, auf dem man stehen kann. Sie ist beschützend und wohltuend. Sie kann allerdings auch noch ein anderes Gesicht haben: Mutterliebe kann einengen, festhalten, behindern, klein halten.

Mütter wollen grundsätzlich nur das Beste für ihre Kinder, was leider nicht immer der Fall ist. Das passiert oft dann, wenn die Mutter nur von der eigenen Warte aus schaut, statt auch vom Kind her zu sehen. Mütter sind nicht allwissend und können somit nicht immer wissen, was das Beste für ihre Kinder ist. Unter anderem deshalb ist der Vater so wichtig. Mütter sind eher beschützend unterwegs, während die Väter auch das Abenteuer und die Herausforderung im Blick haben. Wenn z. B. Väter ihre Kinder hoch in die Luft werfen und beide sichtlich und hörbar Vergnügen daran haben, können die Mütter oft nicht hinsehen, weil es ihnen zu gefährlich scheint. Väter stecken die Ziele für ihre Kinder oft höher als Mütter. Sie wundern sich dann meist, dass die Kinder es schaffen und sich bei Erfolg mit allen Beteiligten freuen.

Das Beste geben

Perfekte Eltern gibt es nicht, weder den perfekten Vater noch die perfekte Mutter. Vielleicht würde es schon helfen, wenn Mütter ihr Bestes geben würden, statt den hohen Anspruch zu pflegen, das Beste für das Kind parat zu haben. Eine alleinerziehende Mutter z. B. kann und muss nicht den Vater ersetzen, der in irgendeiner Form abwesend ist. Sie kann nur ihren eigenen Beitrag leisten.

Die Bedeutung des Loslassens

Uns Müttern fällt es oft schwer, unsere Kinder in den verschiedenen Phasen des Lebens loszulassen. Das fängt schon beim Kindergarten an: Als Mutter fragt man sich, ob das Kind die Trennung und die neue Umgebung gut verträgt, und man kommt sich manchmal wie eine Rabenmutter vor. Als Erzieherin frage ich ich mich bei manchen Konstellationen, wer den größeren Trennungsschmerz hat: das Kind oder die Mutter. Trotzdem ist das Loslassen von Anfang an wichtig – und zwar für beide Seiten. Es steigert sich bis zum Führen eines eigenständigen Lebens.

Es ist wichtig, dass wir das, was wir lieben, loslassen. So kann es wieder zu uns zurückkommen. Es ist wie früher beim Spielen und Rangeln: Festhalten gilt nicht! Damit sich das Leben entwickeln kann, ist es wichtig, Menschen zu umarmen und auch wieder gehen zu lassen. Zur Entfaltung von Leben gehört Freiheit.

In der Bibel geht es auch um das Loslassen: „Der Mann wird Vater und Mutter verlassen und wird mit seiner Frau ein Fleisch sein.“ (1 Mose 2,24) Der Mann verlässt seine Mutter, die ihn idealerweise loslässt, und geht eine neue Bindung ein. Die Mutter ist dann (zusammen mit dem Vater) die Verlassene, was sich nicht gut anfühlt, aber lebensnotwendig ist. Auch hier gilt die biblische Regel: Was man freigibt oder loslässt, bekommt man vielfältig zurück. Was man festhält, zerrinnt einem zwischen den Fingern. Somit steht man auf der Gewinnerseite, wenn man loslässt.

Mütter lieben ihre Söhne (und ihre Töchter)! Trotzdem werden sie schuldig an ihnen; das gehört zum Menschsein. Gott sei Dank gibt es die Vergebung und damit die Möglichkeit, in Freiheit neu anzufangen.

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