Ist Sparen out?

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Ist Sparen out?

Adam online: Für Spareinlagen auf Bankkonten erhält man kaum noch Zinsen. Lohnt es sich da überhaupt noch zu sparen?

Matthias von Jagow: Wer in der Lage ist zu sparen – oder besser – Vorsorge zu treffen, der sollte das auch tun, aber eben richtig. Das Banksparkonto ist sicher keine gute Investition, sondern eher eine Art Geldvernichtung. Aber das war im übrigen auch schon zu anderen Zeiten so. Höhere Zinsen geben oft nur ein scheinbares Gefühl von mehr Sicherheit. Denn auch bei zwei oder drei Prozent Zinsen würde man an Geldwert verlieren, da die reale Teuerungsrate für den Normalbürger weit über diesen Prozentsätzen liegt. Die offizielle staatliche Statistik zur Inflationsrate ist für uns völlig irrelevant, da der zugrunde liegende „Einkaufskorb“ nicht unserer wirklichen Ausgabensituation entspricht.

Die Regierung scheint die Verbraucher vom Sparen abbringen zu wollen, um den Konsum und damit die Wirtschaft anzukurbeln. Konsumentenkredite und Privatverschuldungen scheint man damit in Kauf zu nehmen. Was ist von dieser Strategie zu halten? Sollten wir als Verbraucher dieser Strategie folgen?

Den Manipulationen der EZB zur Nullzinspolitik und der daraus entstehenden Verlockung zu mehr Konsum und Verschuldung sollte man im Privatbereich widerstehen. Wenn wir, insbesondere die staatlichen Organe, uns jetzt nicht disziplinieren und zu einer vernünftigen „Haushalterschaft“ finden, werden wir alle, aber ganz besonders die sogenannten Ottonormalverbraucher, Verlierer der ganzen Markt-und Währungsmanipulationen sein.

An einem Teil der Krise werden wir inzwischen nichts mehr ändern können, deshalb wäre man gut beraten, sich darauf einzustellen: Der große Berg der Altersverteilung, resultierend aus den „Babyboomern“ – und demgegenüber die sinkende Zahl der Vollbeschäftigten – wird, jährlich ansteigend, spätestens in 10 bis 15 Jahren hohe Einbußen bei den üblichen Renten- und Altersabsicherungen verursachen. Verschärft wird das Problem zu einem guten Teil auch dadurch, dass u. a. aus Deutschland aufgrund der Europroblematik viele Milliarden mittels der EZB in südeuropäische Krisenländer und deren Banken abfließen.

Wie sollte man in diesen unsicheren Zeiten sein Geld anlegen – sofern man noch welches übrig hat? Sicher gibt es da unterschiedliche Empfehlungen für kleinere und größere Vermögen, für kurzfristige und längerfristige Sparziele (z. B. Altersversorgung) …

Allgemeingültige Anlage-Empfehlungen für jedermann sind eigentlich immer etwas unseriös. Jede Person oder Familie ist einzigartig und sollte entsprechend beraten werden. Vielleicht helfen aber ein paar grobe Leitlinien:

Das Erste, womit man oft viel sparen kann, ist, eventuell vorhandene Konsumschulden abzubauen, und zwar schnell! Das verschafft uns erst mal finanzielle Freiheit. Hat man Geld übrig, ist es in der jetzigen wirtschaftlichen Lage nicht zu empfehlen, zu viel Geld in „Geld“ anzulegen, also Sparkonten, Kapitallebens- und Rentenversicherungen, Bausparverträge etc. Damit wird man „schleichend“ enteignet (s. o.). Besser sind sachwertorientierte Anlagen und reale Investments in Produktivkapital (u. a. Aktien). Als günstiges Hilfsmittel für uns Normalsparer kann man das mit täglich handelbaren offenen Investmentfonds umsetzen, z. B. aktiv gemanagte Mischfonds guter Gesellschaften. Hierzu gibt es auch mit Blick auf die Altersvorsorge inzwischen gute Lösungen, die durch Ausschüttungen (Dividenden/Zinsen) von rund fünf Prozent pro Jahr die Rente aufbessern können, ohne das angelegte Kapital aufzuzehren – und das bei täglicher Verfügbarkeit der Anlage.  Die richtige Auswahl unter Tausenden von Fonds zu treffen, ist allerdings für den Laien nicht einfach. Hier braucht es meist (gesellschafts-)unabhängige Beratung.

Für etwas größere Vermögen wäre eine Investition in Agrarland optimal, wofür es aber nur wenig Möglichkeiten gibt. In fremde (Wohn-)Immobilien würde ich inzwischen nicht mehr unbedingt investieren wegen der Überteuerung, geringen Erträgen und zunehmenden staatlichen Eingriffen.

Ist es christlich überhaupt zu verantworten, Geld für sich „arbeiten“ zu lassen? Sollen wir uns nicht lieber „Schätze im Himmel sammeln“, wie Jesus in der Bergpredigt sagt?

Für uns, zumindest als Christen, sollte Geld kein Schatz sein, sondern nur Mittel zum Zweck. Es kommt vielmehr darauf an, ob ich ein guter Verwalter sein will, der alle seine „Talente“ vor Gott und den Menschen ehrbar einsetzt (laut Mt 25).

Ich selbst bin ja auch noch Landwirt, dabei merkt man recht existenziell, wohin das führen würde, wenn der ganze Ertrag einer Ernte pro Jahr verprasst würde und dann aber im nächsten Jahr viele Felder mal wieder unter Wasser stehen. Ich wäre als schlechter Verwalter sofort pleite mitsamt meiner Familie und weitreichenden Folgen, bis hin zu Verbrauchern, die vielleicht kein Essen auf den Tisch bekommen. Also ist es ratsam, etwas für schlechte Zeiten zurückzulegen.

Wie heißt es doch: „Nicht Reichtum oder Armut ist eine Barriere zum Himmelreich, sondern die Sünde“!

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