Ein leises Säuseln

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Ein leises Säuseln

„Da sprach der Herr zu ihm: »Geh hinaus und stell dich auf den Berg vor den Herrn, denn der Herr wird vorübergehen.« Zuerst kam ein heftiger Sturm, der die Berge teilte und die Felsen zerschlug, vor dem Herrn her. Doch der Herr war nicht im Sturm. Nach dem Sturm bebte die Erde, doch der Herr war nicht im Erdbeben. Und nach dem Erdbeben kam ein Feuer, doch der Herr war nicht im Feuer. Und nach dem Feuer ertönte ein leises Säuseln.“ (1. Könige 19,11-12)

Wenn ich morgens aufwache und nach draußen gehe, höre ich immer Hintergrundgeräusche. Meistens vernehme ich den Verkehr in weiter Ferne – die Geräusche von Autos und LKWs, einem Zug, oder einem dröhnenden Flugzeug.

Wir leben in einer Welt voller Lärm. Dieser Lärm wird oft als Belastung bezeichnet. Große Lautstärken können unser Gehör schädigen, aber selbst, wenn der Lärm gar nicht so extrem ist, kann er schädlich sein. 

Lärm als Ablenkung

Er kann uns ablenken und abkapseln von den Geräuschen der Natur, die oft sehr angenehm sind und sogar schön sein können. Diese Geräusche verbinden uns mit dem Rhythmus der natürlichen Welt, der Schöpfung Gottes. Wenn wir von der Natur abgeschnitten sind, wird auch unsere Verbindung zu Gott geschwächt, wenn nicht sogar abgebrochen.

Wenn all der Lärm mich ablenkt oder betäubt, kann das auch dazu führen, dass ich Gottes Stimme nicht mehr höre. Diese Stimme ist kein lautes Schreien oder dröhnender Krach. Sie ist eher weniger deutlich, und ich muss bewusst meine Aufmerksamkeit auf sie lenken.

Bewusstsein für Gottes Stimme

Gottes Stimme ist wie ein leises Säuseln, das mich mitten in der Nacht mit Ideen aufweckt, die zu groß für mich sind; sie eröffnet mir Horizonte, die zu weit weg sind, als dass ich sie auf eigene Faust erreichen könnte. Diese Ideen sind nicht meine eigenen, denn ich bin viel zu unsicher, zu ungenügend, zu unwissend, um selbst von ihnen zu träumen.

Es könnte beispielsweise die Aufforderung sein, jemanden anzusprechen, dem es nicht gut geht, oder ein neues Bewusstsein für einen Menschen, dem ich dienen soll, weil er bedürftig ist. Das ist ein Aufruf dazu, mich selbst nicht so ernst zu nehmen und mich zu öffnen für Gottes Einladung, mit ihm zusammen die Welt eines Mitmenschen besser zu machen.

Ich glaube, dass das leise Säuseln Gottes in die Stille hineinspricht. Gottes Stimme ist nur ein kleiner Teil von all dem Lärm, der uns täglich umgibt. Es ist das leise Säuseln, das in den dunklen Morgenstunden zu unseren Herzen spricht. Es sagt uns, dass wir zu Gott und zueinander gehören. Und es sagt uns, dass unsere Berufung und unsere Fähigkeiten so viel größer sind als wir das oft zu wissen glauben.

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