Der Weg alles Männlichen

Mann
© Lili Popper / unsplash.com

Der Weg alles Männlichen

Wie wird der Mann ein Mann? Dieser Frage stellt sich der bekannte Männerbuchautor John Eldredge in seinem Buch „Der Weg des ungezähmten Mannes“ auf erfrischende Weise. Anstatt mit frommen Parolen um sich zu werfen, zeichnet er eine „Karte der Männlichkeit“.

Das Konzept

Eldredges Argumentation ist simpel: Eine Karte ist männlich. Sie belehrt nicht, gibt keinen Weg vor. Sie zeigt lediglich die Umgebung, den Weg gilt es dann selbst zu wählen. Sie ist keine statische Anleitung, sondern eine dynamische Stütze, ein Hilfsmittel (kein Allheilmittel). 

Dieses Konzept verfolgt Eldredge, indem er das Leben des Mannes in fünf archetypische Phasen einteilt. Zwar betont er, dass jeder Mann durch jede Phase gehen sollte, doch wie er sie durchschreitet und was für ihn darin wichtig ist, ist von Mann zu Mann unterschiedlich. Ob er als junger Abenteurer etwa auf Weltreisen geht oder lieber abenteuerliche Bücher liest, bleibt zweitrangig. Es gibt keinen festen Weg durch die Phasen, nur eine feste Voraussetzung: Gott sollte in ihnen sein.

Als Vater führt er den Mann durch jede einzelne dieser Phasen und lehrt ihn die Lektionen, die er dort lernen soll. Das setzt voraus, dass der Mann darauf vertraut, dass Gott diese Vaterrolle übernehmen wird. Je nach seinem eigenen Vater mag ihm das leichter oder schwerer fallen. Lässt er sich aber auf die Reise ein, nimmt er Gott als seinen Vater an, so wird dieser ihn initiieren, ihn zum vollständigen Mann machen.Verpasste Phasen möchte Gott mit dem Mann nachholen, ihm Dinge beibringen, die er nie lernen konnte. 

Obwohl sich die Phasen grob nach dem Alter richten, können trotzdem Männer jeden Alters diese Reise der Initiation antreten. Das Konzept ist genauso wenig starr wie die Männer gleich sind. Meist steht eine Phase im Vordergrund, aber alle sind immer relevant. Der König etwa sollte nie vergessen, dass er ein geliebter Sohn ist. 

Die Lebensphasen nach John Eldredge sind: 

Der geliebte Sohn

Als Junge lernt der Mann vor allem, dass er geliebt ist. Der Vater erfüllt eine besondere Rolle, weil er neben Liebe auch Geborgenheit stiftet. Er baut eine „heile Welt“ für den Jungen auf, in der er diese Liebe entdecken kann, und so legt er den Grundstein für dessen Selbstwertgefühl und Gottesbeziehung. Gleichzeitig lehrt er ihn Demut, indem er ihm zeigt, dass er nicht das Zentrum des Universums ist. Wer diese Phase falsch oder nicht erlebt, der ist oft entweder nicht konfliktfähig, da er von allen geliebt werden möchte (denn er hat diese grundlegende Liebe nicht erfahren) oder stolz und selbstzentriert, wenn er eher verzogen als wirklich geliebt wurde. 

Der Abenteurer

Diese Phase liegt grob zwischen frühem Teenageralter und den mittleren Zwanzigern. Hier erfährt der junge Mann erste Bestätigung in seiner Rolle als Mann. Er erlebt und meistert Abenteuer, die ihm zeigen, dass er eine gottgegebene Stärke hat. Für viele junge Männer ist solch ein Abenteuer etwa ihr erstes Auto oder ihre erste große Reise. Daneben stehen auch seine ersten Erfahrungen mit Arbeit, die nach Eldredge ebenso zum Mannsein gehört. Der Junge wird in diesen Bereichen erprobt und von Gott als würdig befunden.

Obwohl der Großteil dieser Phase aus Eigenerfahrung besteht, ist sie auch ganz besonders eine Zeit des Lernens von Vätern und älteren Männern. „Mein Vater hat mir gezeigt, wie ich eine Angel auswerfe.“ Der Vater initiiert hier den Sohn. Er lehrt ihn den „Rhythmus der Welt“, sodass dieser sich in der Welt zurechtfinden kann. Die Abenteurer-Phase eines biblischen Mannes ist etwa Davids Zeit als Hirte. Für die Spiritualität des Mannes ist es wichtig, dass er den Glauben als das größte dieser Abenteuer zu verstehen lernt, das es mit Gott zu bestehen gilt. Männer, bei denen diese Phase zu kurz kam, bleiben oft in ihr stecken. Sie werden zu modernen Peter Pans, steigern sich etwa in ein Hobby hinein und machen es zu ihrer Welt.

Der Kämpfer

Der Mann ist ein Kämpfer, da er im Bilde eines kämpferischen Gottes geschaffen ist. Das heißt nicht, grausam zu sein, sondern leidenschaftlich in der Verteidigung der Dinge, die es wert sind, verteidigt zu werden. Jesus selbst zeigt es etwa bei der Tempelreinigung. Sobald der junge Mann aufwächst, hat er mehr Dinge, für die es zu kämpfen gilt: seine Ehe, seine Familie, seine Berufung. Hier wird er zwangsläufig mit echten, schweren Kämpfen konfrontiert. Darauf bereitet Gott ihn in dieser Phase auf zwei Arten vor: 

Erstens lehrt er ihn das Kämpfen, indem er ihn vor Herausforderungen stellt. Die Jünger Jesu haben ihre Abenteurerphase an der Seite ihres Rabbis; zu Kämpfern werden sie, als er sie zu zweit losschickt, das Evangelium zu predigen (Mt 10). So lernt der Mann, nicht jede Herausforderung gleich als Ungerechtigkeit abzutun, sondern als Chance zu sehen, sich zu stärken. Dies ist wichtig für seinen Glauben.

Zweitens gibt Gott den Kämpfen des Mannes einen epischen (d. h. bedeutsamen, lebensverändernden) Kontext. Der Mann kämpft nun für Dinge. Hier ragt der Glaube als epischster Kontext überhaupt heraus, als edelster Kampf. Die größte Falle für ihn ist nun die Passivität – nicht einzuschreiten, nicht zu kämpfen, obwohl es nötig wäre. Dazu tendieren auch Männer, die in dieser Phase bisher keine Initiation erfahren haben. Sie gehen Kämpfen aus dem Weg und richten damit oft mehr Schaden an. In vielen christlichen Gemeinden wird dem Mann der Kämpfer abgesprochen. Er soll seine natürliche Stärke und positive Aggression, die ihm als unchristlich dargestellt werden, unterdrücken und „einfach nett sein.“ Das wird ihm nicht gerecht, sondern verwirrt ihn und bricht sein Kämpferherz. Außerdem schadet es den Gemeinden, die kämpferische, echte Männer dringend bräuchten. Die zentrale Botschaft Gottes an den Mann ist dagegen: „Du bist stark und gefährlich. Benutze es zum Guten!“

Der Liebhaber

Die Kelten hatten ein Sprichwort: „Gib niemals einem Mann, der nicht tanzen kann, ein Schwert.“ Etwa zeitgleich mit dem Kämpfer wird der Mann auch zum Liebhaber, sozusagen als Gegenpol zu den harten Schlachten. Oft wird diese Phase ausgelöst, wenn eine Frau in sein Leben tritt, wobei er gut daran täte, sie schon vorher erlebt zu haben. Gott öffnet dem Mann die Augen für die Schönheit der Welt und  umwirbt ihn mit dieser. Der Mann beginnt, Freude daran zu finden und lernt, den Glauben auch als Liebesgeschichte und sich selbst als einen Liebhaber Gottes zu verstehen. Eldredge nennt dies das „poetische Erwachen.“ – gerade für Männer eine echte Herausforderung.

Männer, die diese Phase nicht erlebt haben, tendieren dazu, einen Schild von Logik und Vernunft um sich aufzubauen. Diese sind zwar gut, aber der Glaube muss (auch) im Herzen erlebt werden. Das ist das Ziel dieser Phase, und nur so entwickelt der Mann eine Leidenschaft für Gott, die ihm erlaubt, seine Frau leidenschaftlich zu lieben und trotzdem Gott als erste Quelle seiner Bestätigung beizubehalten, seinen Wert als Mann nicht von der Frau abhängig zu machen. Zu viele Männer suchen in der Frau etwas, das nur Gott ihnen geben kann. Sie müssen es vorher von ihm erfahren, denn ein vollständiger Mann bietet seiner Frau seine Stärke an, er zieht sie nicht aus ihr. Er ist ein Liebhaber, kein Konsument. 

Der König

Ein Mann wird zum König, sobald ihm Gott Hoheit über etwas anvertraut. Ob Familienvater, Pastor oder Geschäftsführer, ein König ist ein Mann, der ein „Reich“ hat. Voraussetzung für einen König von Gottes Gnaden (denn viele Männer werden zu früh oder fälschlich in diese Phase geworfen) ist ein königliches Herz, das Gott ergeben ist – ein Herz, das einen königlichen Charakter sucht, keine königliche Position.

Er muss vorher unbedingt durch die anderen Phasen gegangen sein, denn nur so baut er einen festen Draht zu Gott auf, dessen Rat und Beistand er nun konstant braucht, um in seinem Sinne zu herrschen. Denn Gott wird ihn durch Situationen führen, in denen er herrschen muss, Entscheidungen zu treffen hat, die nicht nur ihn betreffen, sondern sein ganzes Reich (seine Familie, seine Angestellten, seine Gemeinde etc.). Er muss sich vor allem vor Stolz und Isolation in Acht nehmen, zwei Gefahren, die Führungspositionen mit sich bringen. Der Mann ist nun ein Vater und Mentor für jüngere Männer.

Der Weise

Der Mann wird zum Weisen, wenn seine Regentschaft als König endet. Er geht in den Ruhestand, die Kinder verlassen das Haus. Sein Haar ist nun grau von vielen Jahren. Doch obwohl sein Reich abnimmt, sollte sein Einfluss zunehmen. Viele Weise übersehen hier ihr Potenzial, ziehen sich zurück, in dem Glauben, sie könnten nun nichts mehr leisten. Diese Phase sollte jedoch sein größter Beitrag sein, denn jetzt hat er die Weisheit, die es braucht, ein Mentor und Ratgeber für Könige zu sein. Er „formt nun die Männer, die die Geschichte formen.“  

Gott Vater sein lassen 

Obwohl Eldredge jeder seiner Phasen sehr viel Veränderlichkeit zugesteht und betont, dass sie von Mann zu Mann unterschiedlich geartet sind, ist er sich in einem Punkt sehr sicher: Gott will jedem Mann ein Vater sein. Manchen fällt es bloß schwerer, das zu glauben. Hier liegt die Herausforderung an jeden Mann, sich darauf einzulassen. Bitten Sie Gott um seine Vaterschaft, er wartet nur darauf. Auf ins Abenteuer, Männer!

Praktische Fragen, die Sie sich stellen können: 

  • Wie habe ich die verschiedenen Phasen erlebt?
  • Habe ich bestimmte Dinge schon längst aufgegeben?
  • Möchte Gott etwas mit mir nachholen? 
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