Der Unübersichtlichkeit entkommen

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Der Unübersichtlichkeit entkommen

Simplify your life!? Viele sehnen sich danach, doch die Erfüllung rückt trotz und oft gerade wegen der großen Anstrengung in weite Ferne. Dank Smartphone und WLAN sind wir immer erreichbar und antworten schnell. Diese Kommunikationsflut raubt uns wertvolle Zeit, lässt uns hektischer arbeiten und dringt tief in unser Privatleben ein. So geht die Arbeit oft zu Hause weiter.

Wer sich ständig unterbrechen lässt, lebt im Dauerstress. In Seminaren werde ich immer wieder gefragt, wie „Mann“ das Leben vereinfachen kann und mit Termindruck besser zurechtkommt. Das Tempo zu erhöhen, ist keine Lösung. Es führt vielmehr immer tiefer in den Stress hinein. Der Traum, dass wir multitaskingfähig sind, wenn wir nur fleißig üben, ist ausgeträumt.

Mein erster Gedanke bei der Anfrage für diesen Artikel sah wie folgt aus: Ihnen eine weiße Seite zuzumuten und darauf zu schreiben: „Wie Sie Ihr Leben vereinfachen, das müssen Sie selbst herausfinden. Wie ich meins vereinfache, das sage ich Ihnen gerne: Statt den Artikel zu schreiben, werde ich mit meiner Frau wandern gehen.“ Was ich dann auch tat.

Dreifach einfach: Drei Tipps gegen Stress

Wenn einfach das Gegenteil von kompliziert ist, dann ist Vereinfachen das Gegenteil von Vervielfachen. Daher: Wer es einfacher haben will, sollte deshalb nicht mehr, sondern weniger tun. Was wollen Sie weglassen und weniger tun, um einfacher zu leben? Allzu oft übernehmen wir ungeprüft private und berufliche Aufgaben, die uns unter Stress setzen und verzetteln lassen.

Im letzten Monat habe ich spontan zugesagt, eine Abendveranstaltung zu moderieren. Am nächsten Tag wurde mir klar, wie ich mich damit zeitlich unter Druck setzte. Denn am gleichen Tag hielt ich nahtlos zum Start der Veranstaltung ein Seminar. Stress und Hektik waren vorprogrammiert. Deshalb habe ich überlegt, ob und wie ich die Zusage zurückziehen könnte. Die Absage zu formulieren war für mich ein Schritt zur Vereinfachung, ich brauchte zwei Tage dazu. Das „Ja“ für die persönlichen Fragen der Teilnehmer am Seminarende und das „Ja“ für mich, um mir die nötige Zeit zum Abbauen zu nehmen, war mir wichtiger, als schnell zur nächsten Aufgabe zu hetzen. Nur wer ein großes „Ja“ hat, kann zu vielen Ablenkungen „Nein“ sagen.

Tipp 1: Sagen Sie bewusster „Ja“ und öfter als bisher „Nein“. Wenn es Ihnen wie mir erst später einfällt, prüfen Sie, ob Sie Ihre Antwort noch ändern können.

Auf der Suche nach einem Hobby beschloss ich, reiten zu lernen. Seither reite ich regelmäßig. Regelmäßig heißt eigentlich wöchentlich. Doch die Wirklichkeit meines Berufes und der lange Winter ließen im Frühjahr aus wöchentlich monatlich werden. Mich deshalb aber unter Druck zu setzen, weil es eine oder zwei Wochen mit dem Reiten nicht geklappt hatte, wäre der falsche Weg gewesen.

Eine zu starke Verbissenheit kann uns auch vom vereinfachten Leben abhalten. Lernen Sie, die Umstände des Lebens zu akzeptieren und das Beste daraus zu machen. Bewusste Zeiten der Erholung helfen uns, unser Tempo zu drosseln, uns zu spüren und zu uns zu kommen. Wie würden Sie folgende Fragen beantworten: Leben Sie das Leben, das Sie gerne leben wollen? Fühlen Sie sich wohl darin?

Tipp 2: Leben und arbeiten Sie achtsamer. Schaffen Sie bewusste Zeiten der Entspannung. Finden Sie etwas, das sie auftanken lässt; vielleicht etwas, das Sie nur für sich tun.

Vereinfachung im Berufsleben hat mit Zielen und Prioritäten zu tun. Nicht alles ist gleich wichtig und wirkt sich gleichermaßen auf das Ergebnis aus: Was ist Ihre Kernaufgabe? Worum müssen nur Sie sich kümmern? Wenn Sie nur die Hälfte der Zeit zur Verfügung hätten, was würden Sie tun und was weglassen? Forscher des britischen Henley Management Colleges haben errechnet, dass Manager im Durchschnitt dreieinhalb Jahre ihres Lebens mit nutzlosen E-Mails vergeuden.

Tipp 3: Entrümpeln Sie Ihren Terminkalender. Setzen Sie sich Tages- und Wochenziele und planen Sie mehr Zeit für Unvorhergesehenes ein. Reduzieren Sie Ihr E-Mail-Volumen.

Diese Tipps sollten fürs Erste genügen. Zum Schluss möchte ich noch Bernhard von Clairvaux, den Gründer des Zisterzienserordens, zu Wort kommen lassen. Er sagte einst zu seinem früheren Mönch und späteren Papst Eugen III: „Denke daran: Gönne dich dir selbst. Ich sage nicht: Tu das immer, ich sage nicht: Tu das oft, aber ich sage: Tu es immer wieder einmal. Sei wie für alle anderen auch für Dich selbst da, oder jedenfalls sei es nach allen anderen.“

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