Der Feuerofen

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Der Feuerofen

„Schadrach, Meschach und Abed-Nego jedoch entgegneten: »Wir werden gar nicht erst versuchen, uns vor dir zu verteidigen. Unser Gott, dem wir dienen, kann uns aus dem Feuer und aus deiner Gewalt retten. Aber auch wenn er es nicht tut, musst du wissen, o König, dass wir nie deine Götter anbeten oder uns vor der goldenen Statue niederwerfen werden.«“ (Daniel 3,16-18)

Beeindruckende Treue

Schon seit Jahren fasziniert mich diese Geschichte: Die drei jungen Männer, die zu Anfang des Textes erwähnt werden, lebten zur Zeit des Königs Nebukadnezzars. Dieser war vermutlich der mächtigste Mann seiner Zeit: Er hatte beeindruckende Paläste, unzählbare Bedienstete, ein riesiges Heer, unbegrenzten Einfluss.

Eines Tages entscheidet dieser Mann, eine goldene Statue von sich anfertigen zu lassen. Jeder im Volk soll sich vor dieser Statue niederknien und anbeten, um die Treue zum König zu bekunden.

Wir lesen in den Versen zuvor, dass diese drei jungen Männer sich jedoch weigern – sehr zum Missfallen des großen Königs: „Da packte den König der Zorn, und voller Wut ließ er die drei kommen. Als sie vor ihm standen, stellte er sie zur Rede: »Schadrach, Meschach und Abed-Nego, ist es wahr, dass ihr meinen Göttern keine Ehre erweist? Warum wollt ihr euch nicht vor meiner Statue niederwerfen?“ (Daniel 3,13-14) Eine Chance will er ihnen noch geben, doch sollten sie sich weiterhin weigern, würde der König sie bei lebendigem Leibe in einen heißen Feuerofen werfen.

Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie bei den drei angesichts dieser Drohung die Panik hochsteigt. Sollten sie sich nicht doch lieber ein bequemes Leben sichern und vor der Götterstatue niederknien? Doch dann entgegnen die drei fast tollkühn, was wir in den Versen 16-17 lesen: Sie vertrauen, dass Gott sie retten wird. Und zum Schluss kommt der absolute Hammer: „Aber auch wenn er es nicht tut, musst du wissen, o König, dass wir nie deine Götter anbeten werden“ (Daniel 3,17) Unglaublich! Was für ein Glauben, was für eine Treue zu Gott!

Die Götterstatuen des Alltags

Wenn ich diese Geschichte lese, spüre ich, wie sie mich herausfordert. Es gibt bei uns zwar keine 30 Meter hohe Statue eines narzisstischen Königs, aber versteckte Götterstatuen unserer Gesellschaft, vor denen wir uns gerne niederwerfen: Ein bestimmter Lebensstandard, mit dem wir vor anderen glänzen können; unser Egoismus, der uns beständig zuflüstert: „Mein Wille geschehe!“ – und nicht Gottes; nicht zuletzt auch die Angst vor Spott, wenn ich offen zugebe, dass ich Jesus nachfolge. Viel zu schnell werfe ich mich vor diesen Statuen nieder, indem ich Kompromisse eingehe und mich auf Taten einlasse, die Gott nicht sonderlich ehren.

Die Treue, die Schadrach, Meschach und Abed-Nego hier erweisen, spricht von einer großen Liebe zu Gott. Er ist ihnen so wichtig, dass sie sogar die Qualen eines Feuerofens auf sich nehmen würden. Sich stattdessen vor einer Götterstatue niederzuknien ist für sie unvorstellbar. Die drei stehen offenbar ihren Mann. Oft frage ich mich: „Wie kann ich lernen, Gott so zu lieben?“

Der ultimative Feuerofen

Vor einiger Zeit las ich die Geschichte im Lukas-Evangelium, wo Jesus im Garten Getsehmane kurz vor seiner Kreuzigung voller Angst betet (Lukas 22,39-46). Auf einmal fiel mir eine Parallele zu der Geschichte der drei Männer auf. Beide schauen in den Schlund eines Feuerofens: die drei jungen Männer in den Ofen Nebukadnezzars und Jesus in die – im übertragenen Sinne – Feuer der Hölle. Er weiß, dass er dorthin hinabsteigen wird, um die Sünden der Welt zu tragen. Und er betet zu Gott: „Dein Wille geschehe und nicht meiner!“. Er lässt sich nicht von dem Feuerofen abschrecken und zu dem „leichten Weg“ verführen, zu dem ihn der Teufel zuvor in der Wüste versucht hatte. (Lukas 4,1-13). Statt sich vor der Götterstatue zu verbeugen, wählt er den Weg des Feuerofens aus Liebe zu dir und mir und zeigt große Treue.

Ich bin davon überzeugt: Je mehr wir verstehen, dass dieser Jesus den ultimativen Feuerofen für uns ein für alle Mal ertragen hat, desto mehr werden wir ihn lieben! Deswegen will ich dich ermutigen: Lass dich ganz hineinnehmen in das, was Jesus in seinem Leben und Sterben für dich und mich getan hat. Lies darüber, denke darüber nach, sprich darüber mit anderen! Dann werden wir Gott immer mehr so treu sein wie unsere drei Helden, wenn eine Götterstatue vor uns steht.

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