Zuerst Freunde

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Zuerst Freunde

„Viele sogenannte Freunde schaden dir nur, aber ein echter Freund steht mehr zu dir als ein Bruder.“ (Sprüche 18,24)

Was ist Ihnen wichtig genug, dass Sie dafür sterben würden? Wofür würden Sie gerne leben?

Für viele sind Freunde ganz weit oben auf dieser ziemlich kurzen Liste. Männer geben ihr Leben für ihre Freunde, und manche Männer leben heute nur, weil ihnen Freunde durch die dunklen Zeiten hindurchgeholfen haben. Wenn wir darüber nachdenken, was unser Leben erfüllt, finden wir in Freundschaften ein Kronjuwel. Familien beispielsweise haben dann die tiefste Gemeinschaft, wenn sie aus Freunden bestehen, und auch die Ehe ist angewiesen auf tiefe, gegenseitige Freundschaft.

 

Die Dimensionen der Freundschaft

Freundschaft hat zwei Dimensionen: eine vertikale (mit Gott) und eine horizontale (mit Personen). Die Qualität von Freundschaften ist viel wichtiger als die Anzahl der Freunde. Die Qualität von Freundschaft kann man am besten in Tiefe messen, und die Tiefe einer Freundschaft äußert sich vor allem in Geschichten.

Es gibt drei große Erzählungen, die in unserem Leben eine Rolle spielen: Zunächst ist da meine eigene Geschichte. Sie wird durchkreuzt und durchwoben von den Geschichten anderer Personen. Die große Erzählung, die alle Geschichten umfasst, ist Gottes Geschichte. Unser Leben ist ein Teil von Gottes großer Erzählung, ob wir es wissen oder nicht.

Eine Freundschaft ist eine besondere Art der Beziehung nach dem Vorbild der Dreieinigkeit. Sie ist dem Menschen als Ebenbild Gottes geschenkt. Eine Freundschaft gewinnt Tiefe in dem Maße, indem wir einander teilhaben lassen an unseren Geschichten. So kann ein heiliger Raum entstehen, wo sich unsere Geschichten kreuzen und zu unserer gemeinsamen Geschichte werden. Dieser Raum ist unserer Raum und liegt jenseits von dem, was nur meine oder Ihre Geschichte ist. In diesem heiligen Raum haben wir Gemeinschaft mit Gott als Teil von Gottes großer Erzählung. Freundschaft bedeutet, die Geschichte des anderen zu kennen und dadurch einen gemeinsamen Bereich zu erlangen, der uns gehört. Dieser Raum der geteilten Geschichten ist die DNS unserer tiefsten Beziehungen – sowohl mit Gott als auch mit Freunden.

 

Ausharren

In diesem Raum auszuharren bedeutet, ganz bei dem anderen zu sein. In diesem Raum auszuharren bedeutet, eine intensive Beziehung mit Gott zu haben. Es ist er wichtigste Teil von pulsierendem Glauben. Man kann den Glauben nicht bedeutungsvoller und wirklicher erleben als wenn man ausharrt. Da wir in Gottes Bild geschaffen wurden, haben wir die Fähigkeit, auch bei einem Freund auszuharren.

Freundschaft ist der Inbegriff von Beziehung, in der wir miteinander ausharren. Geteilte Geschichten ermöglichen uns Tiefe in unseren Beziehungen und Lebendigkeit mit Gott und anderen.

„Niemand liebt mehr als einer, der sein Leben für die Freunde hingibt … Ich nenne euch nicht mehr Diener; denn einem Diener sagt der Herr nicht, was er vorhat. Ihr aber seid meine Freunde; denn ich habe euch alles anvertraut, was ich vom Vater gehört habe.” (Joh 15,13+15)

Unser Ziel ist Freundschaft mit Gott und anderen. Gemeinsam können wir unseren Glauben stärken, indem wir mit dem „Machen“ von Kirche aufhören und mit Gott und Freunden Gemeinschaft haben. Wir sind Vorbilder, indem wir für Freundschaften „sterben”, für die andere leben wollen. Der Preis dafür ist, dass wir mit Gott und unseren Freunden ausharren.

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