Männer und Spiritualität

Angelo Ferraris/shutterstock.com

Männer und Spiritualität

Männer und Spiritualität?! Nein, damit ist nicht das eine oder andere Gläschen nach Feierabend gemeint …

Gehören Sie auch zu den Männern, welche mit dem Wort „Spiritualität“ so ihre Schwierigkeit haben? Fällt es Ihnen auch so schwer, im Alltag, bei der täglichen Arbeit, den Anforderungen, welche auf Sie einströmen, noch empfänglich zu sein für Gott in Ihrem Alltag? Na, dann herzlich willkommen im Club: Sie sind nicht allein!

Aber zugegeben: So genau erschloss sich mir dieses Wort nicht, und so blieb mir nur übrig, mich mit der Definition des Lexikons zu beschäftigen. Modern wie ich bin, flugs an den Rechner gesetzt und mit Hilfe einer sehr bekannten Internetsuchmaschine Seiten gesucht, welche Synonyme erklären können. Mehrere vergebliche Anläufe zeigten mir, dass das Wort „Spiritualität“ nicht nur mir scheinbar nichts zu sagen hatte. Und bei 3.590.000 Ergebnissen werde ich darüber belehrt, dass es wohl sehr viele Ideen zum Thema „Spiritualität“ gibt.

Erst die Universität Leipzig konnte online meine langsam aufkeimende Unruhe dämpfen: „Empfindsamkeit“ , eine „Sensibilität“ – und im Glauben eine Demut, eine Empfänglichkeit“ zu entwickeln, Gott zu erkennen und ihn dafür zu loben, wurde mir hier als „Wesensmerkmal der Spiritualität“ entgegengehalten. Allerdings ist mein Fazit, dass „Spiritualität“ somit nicht eigens nur „christlich“ ist – es gibt sehr wohl auch andere Religionen, welche – durch verschiedene Wege – es sich zum Ziel gesetzt haben, ihren Gott über die Spiritualität besser kennenzulernen.

Und doch: was bedeutet „christliche Spiritualität“ – gerade auch für uns Männer? Nein, konkreter: was bedeutet es für mich? Könnte es ein, das ich für Gott empfänglich bin / werde, wenn ich morgens beim Gang zur Arbeit den Sonnenaufgang genießen kann? Oder wenn ich mir die fünf Minuten Zeit nehme, den Fischreiher im See zu beobachten und mich daran zu erfreuen, dass wir beide an diesem Morgen alleine hier sind? Ja, könnte es sein, dass ich mich Gott näher fühle, wenn ich in der Kirche sitzend einem Orgelkonzert zuhöre?

Ich glaube, es gibt sehr viele verschiedene Wege, wie Männer Gott näher sein können: Wer sich Gott näher fühlt, wenn er völlig erschöpft nach einem langen Lauf unter die heiße Dusche springt, der sollte nicht darauf verzichten. Wer sich näher fühlt, wenn er sich morgens für 20 Minuten mit Gottes Wort beschäftigt, soll dies tun (dürfen).

Um Gott nahe zu sein bzw. ihm näher zu kommen, bedarf es keines „ich muss“ sondern eines „ich darf“. So darf ich hinter der Schönheit der Natur Gottes Wirken sehen, ich darf mich über Gottes Schöpfung, den Menschen, freuen, während ich fasziniert bin, wie mein Körper funktioniert und zu welchen Leistungen er fähig ist. Wichtig ist, hinter dem Erlebten den zu sehen, der das möglich macht: Gott.

Dann entfällt auch der „besserwisserische Zeigefinger“, der meint, andeuten zu können, was genau „christliche Spiritualität ist.

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
4 Comments
Oldest
Newest
Inline Feedbacks
View all comments
Tobias Jäger
Tobias Jäger
5 Jahre zuvor

Meine Frage bei diesem Thema ist immer, ob es eigentlich relevant ist, auf welche Weise ich mich Gott „nahe fühle“. Jesus erschreckt ja mit der Aussage, dass am letzten Tag viele abgewiesen werden, die sich Gott sehr nahe gefühlt haben. Deswegen wäre es für mich viel wichtiger zu erfahren, wie man (oder ich als Mann) Gott denn wirklich nahe ist – Gefühl hin oder her.

Emmerich Adam
Admin
Emmerich Adam
5 Jahre zuvor
Reply to  Tobias Jäger

So wie ich Steffen Widenmeyer verstehe, geht es ihm nicht primär um Gefühle, sondern um Spiritualität, die freilich auch Gefühle mit einschließen kann. Der Autor betont gegen Ende: „Wichtig ist, hinter dem Erlebten den zu sehen, der das möglich macht: Gott.“ Als praktische Beispiele nennt er weiter oben, Gott in der Natur, im anderen Menschen oder in der Leistungsfähigkeit des eigenen Körpers zu erkennen.
In Adam online Nr. 54 (Anfang März) werden wir uns u. a. mit männlichen Zugängen zu Gott beschäftigen …

Bernd Luge
Bernd Luge
4 Jahre zuvor

Spiritualität hat nichts mit Religionen zu tun. Der spirituelle Mensch erlebt die Heiligkeit allen Lebens und allen Existierenden. Der spirituelle Mensch lebt und arbeitet normal wie jeder Andere – aber er fährt beispielsweise nicht nur im Auto und flucht zu Recht über den schleichenden Vordermann, sondern er er sieht sich gleichzeitig Auto fahren und fluchen – und lächelt über seine Unzulänglichkeit, dass er sich immer wieder zu Flüchen hinreissen lässt.

Charlotte Sturm
Charlotte Sturm
4 Jahre zuvor

Es gibt eine Adresse, die uns zusichert, dass wir in unserer Spiritualität auf dem richtigen Weg sind: Jesus Christus! – Apg. 4,12
Etwas wurde bei dem Musen noch vergessen, ohne „Werke“ ist unser Glaube und damit Spiritualität tot. – Jak. 2,17
Das Meditieren in Gottes wunderbarer Natur mag auch als „Werk“ gelten, aber das Wichtigste wird immer übersehen. Liebe ist nicht Liebe, bis wir sie weggeben. Das was Gott uns durch „Spiritualität“ gibt, möchte er, dass wir es weitergeben – nicht für uns behalten, das wäre Selbstsucht, sondern weitergeben, weil das Liebe ist. – Mk. 16,15-16