Leben mit Gegensätzen

Leben mit Gegensätzen

Neulich in einer kleinen Runde bei einem Gemeindetreffen, kurz vor dem offiziellen Beginn: „Diese Impfverweigerer sind schuld daran, dass es unseren Kindern jetzt so schlecht geht!“ Betretenes Schweigen. Ich selbst musste mich auch beherrschen, nichts zu erwidern. „Nicht schon wieder dieses Thema!“, dachte ich mir. „Wenn ich jetzt versuche, auf diese hingeworfene Aussage etwas differenzierter einzugehen, haben wir wieder eine Riesendiskussion, die uns mehr spaltet als eint. Schließlich wollte ich in wenigen Minuten das Treffen offiziell eröffnen!

Wir sind gespalten

Die Spaltung in unserer Gesellschaft, bis hinein in den privaten Bereich, wird von manchen Politikern bezweifelt und schöngeredet. Dabei scheint sie mir offensichtlich zu sein – und das nicht nur beim Thema „Corona“. Bei bestimmten Themen scheint man ein verbales Minenfeld zu betreten, die Grundstimmung ist genervt bis aggressiv. Dass es zu verschiedenen Themen durchaus begründete gegensätzliche Meinungen geben kann und darf, scheinen immer weniger Leute zu akzeptieren. Auch das Heranziehen einer bestimmten „Studie“ hilft nicht unbedingt weiter, denn vermutlich gibt es eine andere Studie, die genau das Gegenteil „beweist“.

Erst einmal zuhören

Statt verbissen auf die Richtigkeit der eigenen Position zu pochen, sollten wir erst einmal zuhören und den anderen zu verstehen versuchen. „Wie bist du zu deiner Ansicht gekommen?“ könnte eine gute Frage sein. Es geht nicht darum, alles und jeden einfach stehenzulassen oder alles postmodern zu relativieren. Eine konstruktive Diskussion lebt von unterschiedlichen Positionen! Man kann durchaus Stellung beziehen, ohne den anderen gleich anzugreifen.

Gott sei Dank darf ich auch das immer wieder erleben, allerdings eher unter jungen Leuten, wenn ich mit ihnen spreche. Ich bin immer wieder beeindruckt über deren Diskussionskultur, bei der man viel entspannter und wohlwollender miteinander umgeht. Die Älteren sind mir oft zu wütend, und sie scheinen mir oft zu genau zu wissen, was richtig und falsch ist, wer Recht hat und wer nicht.

Für ein besseres Miteinander

In dieser Ausgabe wollen wir uns dem stellen, dass das Leben, die Natur, wir als Person – und sogar Gott selbst – voller Gegensätze und Gegenpole ist. Diese sind nicht bedrohlich, im Gegenteil: sie ermöglichen Leben, Energie, Dynamik. Einige dieser Gegensätze und Widersprüchlichkeiten wollen wir auf den nächsten Seiten beleuchten. Wenn wir uns mit den Gegensätzen versöhnen, mindern wir nicht nur unsere eigene Wut, sondern ermöglichen auch ein besseres Miteinander. Dies scheint mir in unserer Zeit besonders wichtig zu sein.

Eine anregende Lektüre wünscht Ihnen

Emmerich Adam

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments