Klischee ade!

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Klischee ade!

Vor kurzem las ich folgende Aussage von Herb Goldberg: „Je weniger Schlaf ich benötige, je mehr Schmerzen ich ertragen kann, je mehr Alkohol ich vertrage, je weniger ich jemanden um Hilfe bitte, je weniger ich von jemandem abhängig bin, je mehr ich meine Gefühle kontrolliere und unterdrücke, je weniger ich auf meinen Körper achte, desto männlicher bin ich.“ (Herb Goldberg, Mann bleibt Mann, Reinbek 1986, S. 42)

Seiner Definition nach ist ein Mann also ein stinkender Zombie. Aha. Frauen hingegen reden über ihre Gefühle, bunkern Schuhe und können nicht einparken. Soviel zu den herrschenden Rollenklischees, die nicht zuletzt durch Mario Barth in Deutschland Hochkonjunktur haben. „Ja, ja … aber die Christen, die sehen das bestimmt ganz anders!“, denken Sie jetzt? So, wie denn?

Was ist denn ein richtiger Mann?

Ist ein richtiger Mann das „Haupt der Familie“, der bestimmt, wo es lang geht, Respekt einfordert und den Oberchef gibt? Und die Frau hat auf ihn zu hören und sich ihm unterzuordnen? Ich glaube, diese Definition von „Haupt“ hat sich Gott weder für die Beziehung von Gott und Mensch, noch für die von Mann und Frau vorgestellt. Jesus hat sich schließlich auch nicht hingestellt und gerufen: „Höhö, ich bin der große Macker – jeder hat zu machen, was ich sage!“. In der Bibel werden die Menschen aufgefordert, einander zu dienen und untertan zu sein (z. B. Eph 5,21).

Das „Haupt der Familie“, wie es in 1 Kor 11 heißt, bedeutet für mich, dass der Mann ein Vorbild ist und sich seiner Verantwortung für das praktische und geistliche Leben seiner Familie stellt. Frau und Mann sollten sich gegenseitig ehren und respektieren. Nicht der Mann als Haupt der Familie sollte im Mittelpunkt stehen, sondern einzig und allein Jesus.

Klischeedenken hilft keinem

Klischees stimmen vielleicht im Allgemeinen, global und generell. Sie helfen aber keinem dabei, sich gescheit zu entwickeln und zu wissen, wer man(n) eigentlich ist. Die Autoren Malessa und Giesekes weisen in ihrem Buch (Männer sind einfach … aber sie haben’s nicht leicht, Brunnen Verlag Gießen) darauf hin, dass je mehr sich Paare in klischeehafte Geschlechterrollen hineinpressen, die sie denken ausfüllen zu müssen, desto unglücklicher sind sie. Es geht nicht darum, irgendwelchen Klischees zu entsprechen. Das verursacht eher, dass man(n) sich minderwertig fühlt und vielleicht sogar, dass man(n) versucht, besonders gut in der gedachten Geschlechterrolle zu werden.

Gott möchte, dass sich Mann und Frau ergänzen – und voneinander lernen. Wenn wir uns hingegen in gesellschaftlich vorgegebene Geschlechterrollen hineinpressen, dann führen wir nicht das Leben, das Gott für uns bereithält. Die eigene Entwicklung zu der Persönlichkeit, die man(n) eigentlich ist, bleibt dann auf der Strecke. Gott hat, jenseits aller Klischees, so viel mit jedem Einzelnen von uns vor. Das gilt es zu entdecken und zu entfalten.

Sie denken, Klischees spielen in Ihrer Ehe keine Rolle? Nun, das dachte ich auch …

Brauchen Männer viel Trost?

Ich habe keinen Führerschein. Wenn ich als Beifahrerin bemerke, wie sich eine weibliche Verkehrsteilnehmerin mal wieder ausgesprochen unklug verhält, dann kommen mir schon mal Sprüche wie „Frau am Steuer = Ungeheuer“ oder „Mann am Steuer = Abenteuer“ über die Lippen. Oder wenn ich sehe, dass sich mein Mann verletzt hat, dann falle ich, wenn ich nicht aufpasse, ganz schnell in diese „Ach der Arme … hat sich weh getan … ich muss ihn trösten“-Rolle rein. Weil irgendwo in meinem Hirn abgespeichert ist, dass Männer ganz fürchterlich jammern, wenn sie sich verletzen: Die schneiden sich in den Finger und lassen sich eine komplette Woche krankschreiben! Männer brauchen viel Trost! – Doch das ist totaler Quatsch. Es mag Männer geben, die sehr wehleidig sind, aber mein Mann bestimmt nicht. Bei ihm kann das Blut in Strömen fließen, und er arbeitet weiter, als wäre nichts geschehen. Manchmal erschrecke ich, weil ich mal wieder einen Bluterguss an ihm entdeckt habe, und dann sage ich: „Oh, was hast du denn da gemacht?“, und er meint ganz trocken: „Ach … ist mir noch gar nicht aufgefallen – keine Ahnung.“ Wenn ich ihn dann tröste, nervt ihn das; er sei kein kleines Kind mehr, womit er ja auch recht hat. Den anderen kennenzulernen, ganz ohne beschränkende Klischeevorstellung, lohnt sich.

Jeder Mann ist einzigartig. Gott liebt die Vielfalt, und deshalb gibt es auch Männer, die Schuhe lieben und schlecht einparken können; genauso gibt es auch Frauen, denen es schwer fällt, über ihre Gefühle zu sprechen und die nach der Arbeit gerne mal ein Bierchen zischen.

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