Die gesprochene Hälfte

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Die gesprochene Hälfte

„Männer in Gemeinschaft“  oder „Männer und Kommunikation“: Mein Lieblingsthema, wenn es darum geht, dass Gott mich in die Weite und in den Bereich des Unbegreiflichen führen will! Ein Vorrecht, dessen ich all zu oft teilhaftig werde – mag es daran liegen, dass ich eine Geliebte Gottes bin oder schlicht eine Ehefrau.

Wie man mit all diesem Glück der individuellen Wachstumsschulung umgehen lernt? Ehrlich? Ich weiß es noch nicht ganz! Es sind diese unangekündigten, überraschenden Schulungsmomente, die mich immer wieder überwältigen und in die alten Wahrheitsstrukturen abrutschen lassen. In dieses Gefühl von „Warte Schatz, ich helfe dir schnell!“

 

Männergemeinschaft

So z. B. unser letzter Besuch bei einer befreundeten Familie: Sie wohnen weit weg, wir sehen sie selten. Die ganze Fahrt sprechen wir über alles Neue in unseren Leben und freuen uns, dann endlich vor ihrer Tür zu stehen. Alles ist in bester Ordnung – bis wir klingeln und uns die Tür geöffnet wird. „Hey Alter. Dick bist du geworden!“ „Und du erst, Augenringe hast du bekommen!“ Beide Männer grinsen, nehmen einander fest in die Arme und – wie soll es auch anders sein – verschwinden ins Büro. Ich, wortlos, ratlos, hilflos meinem Angetrauten nach sehend. Männergemeinschaft!

 

Männerkommunikation

Oder der Besuch in Linz: Total fremde Stadt, keinerlei Ahnung, wohin wir fahren müssen. Das ist so lange kein Problem, wie der „Navi“ ein klares „Ja“ zu seiner Daseinsbestimmung hat. Tritt hier eine Sinnkrise ein (sprich: Der „Navi“ funktioniert nicht richtig), gilt es, alle „Eva –Vorlieben“ wie z. B. die Weitergabe von nahe liegenden praktischen Tipps zu übergehen und gleich den Kurs „Beten wie Elia“ in Angriff zu nehmen. Ich bin also still und spüre nur so ein Gefühl von unbeschreiblicher Hoffnung, als ich das nächste Telefonat mithöre. „Hey, wir sind da, wissen jetzt aber nicht weiter. Sind gerade auf so einer breiten Straße mit einer Brücke drüber.“ Pause. „Nein, sehe ich nicht. Weiß ich auch nicht. Du, da ist gerade eine Tankstelle, da fahre ich drauf. Kannst du uns von dort abholen?“ Das wird die Stunde der Wahrheit! Herrlich, hier und heute wird mein Mann kommunizieren lernen. So schießen mir die Gedanken durch den Kopf, als wir müde auf einer der vielen Tankstellen in Linz auf die Begegnung der besonderen Art harren. Siegessicher lächele ich die Tanksäulen an und träume von einer Zeit der klaren Datenübermittlung; da trifft das ein, was nie hätte passieren dürfen: Sein Freund fährt vor. Nur fünf Minuten nach dem Gespräch! Männerkommunikation!

 

Unsichtbare Kommunikationswellen

Es scheint, als gäbe es hier unsichtbare Wellen: eine Übermittlung von Informationen, für die man noch nicht mal Augenkontakt braucht. Rätselhaft und ungemein herausfordernd, wenn man doch als liebende Ehefrau und von Gott gegebene Hilfe einfach intuitiv weiß, was hier mal wieder alles falsch läuft. „Süßer, Schatz, Liebling“. Wir suchen Augenkontakt, wir ergreifen geschmeidig die männliche Hand, wir treten „aus Versehen“ an seinen Fuß.

Doch so erschreckend und fremd es uns auch ist, am Ende des Tages triumphiert eine andere Lösung. Es scheint, als ob die Männerwelt sich auch ohne uns verständigen kann! Doch nicht nur das, sie wirkt geradezu, als ob sie sich auch total bestätigt, stärkt, herausfordert und auf dem Kurs hält. – Ein Paradigmenwechsel im Kopf jeder hingebungsvollen, aufmerksamen Eva. Und doch, ja, wir wollen es lernen! Doch wäre es schön, wenn ihr uns nach einer gemeinsam erlebten Männergemeinschaft lieb in den Arm nehmen und Verständnis für unsere „Schweißperlen“ auf der Stirn haben würdet. Wisst ihr, wir haben einfach nur die gesprochene Hälfte mitbekommen!

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